Eröffnungsrede Thomas Fehling

Rede von Thomas Fehling, Bürgermeister der Stadt Bad Hersfeld, zur Eröffnung der 61. Bad Hersfelder Festspiele

Es gilt das gesprochene Wort

 

Sehr verehrte Frau Staatsministerin Kühne-Hörmann, Herr Staatsminister Posch, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete des Deutschen Bundestages und des Hessischen Landtages, Herr Regierungspräsident Dr. Lübcke, Herr Landrat Dr. Schmidt, sehr geehrter Herr Präsident des Deutschen Bühnenvereins Rolf Bolwin, werter Bischof Dr. Hein, hochverehrte Ehrengäste meine Damen und Herren!

Ich heiße Sie - auch im Namen der städtischen Gremien mit Herrn Stadtverordnetenvorsteher Prof. Lothar Seitz an der Spitze - herzlichst willkommen in Bad Hersfeld, hier in der Stiftsruine.

Verehrte Zuhörer, ich nutze diese Gelegenheit, um Herrn Boehmer für seinen engagierten und unermüdlichen Einsatz für die Bad Hersfelder Festspiele über Jahre hinweg zu danken. Wir werden in der neuen Zeitrechnung manche Dinge anders tun, aber seine Leidenschaft für die Bad Hersfelder Festspiele sei uns Ansporn zu neuen Höchstleistungen.

Wir, und damit spreche ich für alle Beteiligten innerhalb der Festspielorganisation, aber auch für die Dienstleister im Umfeld der Festspiele, haben es uns zum Ziel gesetzt, Ihnen einen exzellenten Aufenthalt mit einem herausragenden Theatererlebnis zu liefern. Dazu haben wir inzwischen Maßnahmen zur Qualitätssicherung initiiert. Wir wollen noch besser werden, damit Sie, verehrte Gäste, uns als Stammpublikum dauerhaft die Treue halten. Machen Sie bitte Gebrauch und lassen Sie uns Ihre Meinung wissen. Wir versprechen, wir werden uns nach allen Kräften anstrengen, damit Sie Bad Hersfeld als Wohlfühlstadt noch intensiver genießen können.

Bürgermeister dieser Stadt zu sein bedeutet auch, diese Festspiele ökonomisch zu einem Erfolg zu führen. Deshalb sehe ich mich in Goethes Vorspiel auf dem Theater, Faust I, als der „Direktor“, der seinem „Dichter“, in diesem Fall unserem Intendanten Holk Freytag, und der „Lustigen Person“, sprich den kulturellen Ratgebern in unserer Stadt, die Notwendigkeiten der Budgetdisziplin unserer kleinen Stadt drastisch nahe bringen muss.

Die Frage hier ist doch, ob sich Bad Hersfeld, angesichts des riesigen Angebots an Freilichtaufführungen im deutschsprachigen Raum bei sinkenden Subventionen, ein derart umfangreiches Programm wie das diesjährige mit 6 anspruchsvollen Stücken überhaupt noch leisten kann. Und es kommen im August noch zwei große Opern, die seitens der Stadt ebenfalls nennenswert unterstützt werden.

Ich habe mich aus diesem Grund in verschiedene, diesbezügliche Studien gemäß dem Rat einer großen Frankfurter Tageszeitung vertieft. Alle diese Studien sagen und „dokumentieren“, dass „Theater und Oper das Land erblühen lassen“ und dass „der, der diese schließt, gerade die notwendigen Kreativen vertreibt und die Region lähmt“ . Ohne Theater, ohne Oper, und ich ergänze, ohne Kultur insgesamt, „also kein Wachstum!“ Das wollen wir auf keinen Fall!

Denn Bad Hersfeld zeigt meines Erachtens sehr gut, – und da spreche ich nicht nur als Bürgermeister – wie Theater und wirtschaftliche Prosperität in einer Stadt zusammenpassen und zusammengehören. Mit dem neuen Schilde-Park schaffen wir einen weiteren attraktiven Anziehungspunkt, der im Spannungsfeld aus Kultur und Kommerz zu bestehen hat - und wird.

Geschätztes Publikum, ich möchte Sie aber nicht mit meinem Tagesgeschäft langweilen, sondern Ihre Freude und Spannung auf die Festspiel-Saison 2011 erhöhen. Holk Freytag bietet uns einen so tollen, spannenden und aufregenden Spielplan mit einigen künstlerischen Herausforderungen: Heute Abend beginnen die Festspiele mit dem Dschungelbuch – dem Familienstück. Jeder kennt es in- und auswendig! Wirklich? Lassen wir uns überraschen.

Der „Boulevard der Dämmerung“ handelt von einem alternden Star. Aber unsere Protagonistin Helen Schneider ist jung, schön und so lebendig. Ich persönlich bezweifle, dass die Maskenbildner diese Verwandlung hinbekommen werden. „Der Name der Rose“ – ein mittelalterlicher Kloster-Krimi gespielt quasi am Originalschauplatz. Übrigens ist der Name der Rose kein Geheimnis mehr, denn wir haben sie inzwischen getauft. Die Rose heißt seit 2 Wochen „Bad Hersfeld“. Unser besonderer Dank geht an die Darstellerin Andrea Cleven. Sie hat die Rose für uns getauft. Kann es eine charmantere Kombination geben? Übrigens: Andrea Cleven spielt die einzige weibliche Rolle des Stückes. Es stellt sich hier die politische Frage, ob dieses Stück bei Einführung einer Frauenquote überhaupt noch gespielt werden darf. „Draußen vor der Tür“ können Sie bei uns in diesem Jahr dreifach Theater erleben. Auf den beiden Freilichtbühnen – hier in der Stiftsruine und im Schloß Eichhof – und als eigenes Stück in der Schilde-Halle. Lassen Sie sich begeistern vom Theater auf der Baustelle. Hamlet ist voller Zitate, mehr als unsere Schulweisheit sich träumen lässt. Eins davon möchte ich ganz besonders beherzigen: „Brevity is the soul of wit“, sagte der alte Shakespeare. Frei übersetzt heißt es „In der Kürze liegt die Würze“. Daran halte ich mich.

Meine Damen und Herren, zum Theater gehören nun einmal Gefühle und bewegende Momente. Bevor ich schließe, erlauben Sie mir bitte noch eine kleine Sentimentalität: Erst zum zweiten Male stehe ich an dieser Stelle in dieser gewaltigen Ruine mit einem derart gefüllten Zuschauerraum: und als gebürtiger Hersfelder, der in der Nachbarschaft zur Stiftsruine aufwuchs, möchte ich Ihnen sagen, wie sehr mich die Großartigkeit, die Schönheit und die Einmaligkeit bewegt.

Und wie sehr ich von dem Blick und der Stimmung überwältigt bin. Ganz ehrlich: ich hatte etwas Lampenfieber vor diesem großen Moment. Jetzt kann ich mir sehr gut vorstellen, wie es den Schauspielern vor einer großen Premiere auf diesen Brettern gehen muss. Daher wünsche ich allen Akteuren gutes Gelingen. Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Ehrengäste, liebe Freunde, ich wünsche Ihnen allen atemberaubende Momente in unserer unvergleichlichen Stiftsruine und bedanke mich für Ihre geschätzte Aufmerksamkeit.

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