Eröffnungsrede Eva Kühne-Hörmann

Rede von Eva Kühne-Hörmann, Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst , zur Eröffnung der 61. Bad Hersfelder Festspiele

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Fehling, sehr geehrter Herr Bolwin, sehr geehrter Herr Freytag, meine sehr verehrten Damen und Herren,

sehr gerne bin ich auch heute wieder in das schöne Bad Hersfeld gekommen, um zur Eröffnung der nunmehr 61. Festspiele in dieser ehrwürdigen Stiftsruine die herzlichsten Grüße der Hessischen Landesregierung und des Hessischen Ministerpräsidenten zu überbringen. Es freut mich sehr, auch in diesem Jahr wieder eine so zahlreiche wie hochkarätige Zuschauergemeinde hier zum Festakt und heute Abend zur Premiere begrüßen zu können.

Der alljährliche Festakt und die anschließende Festspielpremiere gehören zu den wichtigsten kulturellen Terminen in Hessen, ja in Deutschland. Und dennoch ist das ungebrochene Interesse daran keineswegs selbstverständlich. Die große Attraktivität der Bad Hersfelder Festspiele nicht nur für das Publikum, sondern vor allem für die Theaterleute selbst, für Schauspieler, Regisseure, Bühnenbildner und nicht zuletzt Licht-Designer, ist durchaus einmalig.

Erklären kann man sich dieses Phänomen wohl nur immer wieder nur mit den gleichen zwei Gründen: dem „Wunder der Stiftsruine“, wie es ein Film aus den sechziger Jahren einmal nannte und der Faszination des lebendigen Theaters in diesen tausendjährigen Mauern.

So bietet Bad Hersfeld dem Publikum seit 60 Jahren wahrhaft unvergessliche Erlebnisse, den beteiligten Künstlern aber eine wichtige und wertvolle Station in der Karriere.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Fehling, Sie haben als Träger dieser Festspiele eine hohe Verantwortung und eine große Chance zugleich: Die großartigen Festspiele und das nahe Autobahnkreuz im Herzen Deutschlands bieten die besten Voraussetzungen für kulturelles und wirtschaftliches Wachstum dieser Stadt. Die weiterhin erfolgreiche Nutzung dieser Chancen wünsche ich Ihnen zu Beginn Ihrer ersten Festspielzeit in Ihrem neuen Amt von ganzem Herzen.

Wir haben in den letzten Jahren in vielen Theatern Deutschlands und auch bei diesen Festspielen erleben müssen, dass das Publikum offensichtlich weit weniger berechenbar geworden ist. Vielerorts sind gerade in der Krise die Besucherzahlen gestiegen – Theater kann eben auch Orientierung bieten, wo sich scheinbar verlässliche Werte auflösen. Aber auch das Gegenteil ist in manchen Theatern zu vermelden: Viele Menschen haben in den vergangenen Jahren der Krise auch ihre persönlichen Ausgaben für Kultur streng begrenzen müssen.

Warum sich aber Menschen letztlich entschließen, dieses oder jenes Stück an diesem oder jenem Ort anzuschauen oder eben auch gerade nicht, wird sich wohl selbst mit Hilfe wissenschaftlich fundierter Methoden nicht endgültig klären lassen. Fest steht, dass sich das Theater aller multimedialen Konkurrenz zum Trotz immer wieder behauptet und scheinbar verlorengegangenes Terrain zurückgewinnt.

„Theater muss immer sein“, möchte ich da in geringfügiger Abwandlung des bekannten Slogans des Deutschen Bühnenvereins, verehrter Herr Bolwin, behaupten.

Wie gut, wenn sich Theater dann auf eine solche Tradition wie hier in Bad Hersfeld berufen kann. Tradition ist aber nur die eine Säule, auf der das Theater ruht. Seine unaufhörliche Erneuerung die andere.

Tradition ist bewahrter Fortschritt, Fortschritt ist weitergeführte Tradition, sagte Carl Friedrich von Weizsäcker und beschreibt damit ein wichtiges dialektisches Phänomen des Theaters.

Ich wünsche Ihnen, Herr Intendant Freytag, dass es Ihnen in diesem Sinne mit Ihren neuen Ideen gelingt, die große Tradition dieser Festspiele in theatergemäßem Fortschritt zu bewahren. Das große Thema Europa haben Sie bereits in Ihrer ersten Spielzeit für Bad Hersfeld formuliert. In diesem Jahr setzen Sie mit einem Zuwachs an Musiktheater auf Angebote für die ganze Familie. Das Motto der 50. Jubiläumsspielzeit „Welttheater für jedermann“ erhält so wieder eine neue Bedeutung.

Der Dreiklang aus Mysterium des Ortes, einem klugen Spielplan und erstrangigen Darstellern kann sehr wohl erneut Fortschritt als weitergeführte Tradition spürbar werden lassen.

Denn eines ist klar: Die Stiftsruine ist für die Festspiele das „Alleinstellungsmerkmal“, wie wir es heute definieren, schlechthin. Vergleiche darf man deshalb hier nicht mit den vielfältigen und sympathischen Sommerfestivals landauf landab anstellen. Maßstab für die Bad Hersfelder Festspiele bleiben – wie in der Gründungszeit - Salzburg und Bayreuth.

Dies mit Augenmaß und Realismus immer wieder anzustreben ist, meine sehr verehrten Damen und Herren, unser aller Aufgabe und nicht nur die des Festspielintendanten und des Bürgermeisters. Dazu bedarf es auch in Zukunft vor allem eines neugierigen, aber auch treuen Publikums, das die Lebendigkeit des Theaters liebt und nicht seine Musealisierung. In diesem Sinne eröffne ich die 61. Bad Hersfelder Festspiele und wünsche allseits gutes Gelingen.

Vielen Dank!

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