Häusliche Gewalt gegen Frauen muss nicht immer körperlich ausgeübt werden

Erniedrigung nicht nachweisbar

Neben körperlicher leiden viele Frauen auch unter psychischer Gewalt in der Beziehung. Sie ist nur schwer nachzuweisen. Foto: dpa

Hersfeld-Rotenburg. Es gibt die verschiedensten Formen der Gewalt: körperliche, psychische, sexualisierte, ökonomische, soziale Gewalt. Wenn eine Frau geschlagen wurde, kann sie die Polizei rufen, Anzeige erstatten oder in ein Frauenhaus gehen. Sie weist in der Regel sichtbare Verletzungen auf.

Ist dieser Partner jedoch emotional gewalttätig, subtil verletzend, erniedrigend, beschimpft sie, isoliert sie und sperrt sie ein, so kann sie wenig gegen ihn unternehmen. Hier versagen die Gesetze. Hier fehlt es an Beweisen. Es gibt keine sichtbaren Spuren.

Häufig wechseln sich Phasen liebevoller Zuwendung ab mit Phasen der Erniedrigung. Betroffene Frauen beschreiben ihre Partner oft als eine Art Dr. Jekyll und Mr. Hyde.

Psychische Gewalt

Eine Frau, wir nennen sie hier Sophia, kam nach fortgesetzter psychischer Gewalterfahrung in die Frauenberatungsstelle des Vereins Frauen helfen Frauen. Sie hatte keine Kraft mehr, schilderte ihren Zustand und ihr Erleben so: „Ich weiß nie, wie er abends nach Hause kommt. Tagelang ist alles ruhig und harmonisch. Dann ganz plötzlich – und ich kann nie nachvollziehen, was die Veränderung auslöst – schlägt die Stimmung um. Er lässt kein gutes Haar an mir. Alles mache ich falsch. Meine Eltern beschimpft er aufs Übelste. Wenn ich mit meiner Familie telefonieren will, macht er so lange Theater, bis ich es aufgebe. Zu Freunden habe ich bereits den Kontakt verloren.

Früher habe ich mich von diesen Attacken in den Zeiten, in denen er ‘lieb’ war, erholen können. Inzwischen bin ich nur noch angespannt, ängstlich, lasse Dinge fallen oder vergesse, was ich einkaufen wollte. Das sind dann wieder Gründe, mich lächerlich zu machen, mich zu kritisieren und wie eine Kranke zu behandeln. Ich weiß manchmal nicht mehr, wer ich bin. Ich weiß nicht, was ich glauben soll.

Auch vor anderen macht er sich über mich lustig, zeigt allen wie dumm und tollpatschig ich bin. Er kann sich nach außen hin gut darstellen. Alle halten ihn wohl für einen liebevollen Ehemann. Niemand sieht, wie er wirklich ist. Niemand würde mir glauben.“

So und ähnlich wie Sophia erzählen immer wieder Frauen, die in die Frauenberatungsstelle kommen. Der Verein Frauen helfen Frauen berät in seiner Beratungsstelle an der Dudenstraße 27 in Bad Hersfeld Betroffene von Gewalt und Stalking, Frauen in Trennungs- und Scheidungssituationen, Frauen und Mädchen, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind, Mütter in Sorge- und Umgangskonflikten und Frauen in Krisensituationen.

Unter der Telefonnummer 06621/65333 können sie einen Gesprächstermin vereinbaren. Artikel links

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