Eine Studie zur Energieversorgung Bad Hersfelds zeigt Schwachstellen auf

Nur erneuerbar geht nicht

Solarparks – wie hier auf dem Amazon-Gelände – weisen in die richtige Richtung. Dennoch wir die Komplettversorgung der Stadt aus erneuerbaren Energien wohl ein Wunschtraum bleiben. Foto: Archiv

Bad Hersfeld. Den Energiebedarf der Stadt Bad Hersfeld eines Tages zu hundert Prozent aus erneuerbaren Quellen zu decken – das ist selbst bei Annahme der besten Voraussetzungen wohl ein Ding der Unmöglichkeit. Das ergibt sich aus einer neuen Studie des Münchener Fachbüros K.Group, die jetzt im Stadtverordneten-Ausschuss für Stadtplanung und Umwelt vorgestellt wurde.

Demnach könnte zwar beim Strom bis zum Jahre 2050 nahezu eine Komplettversorgung mit erneuerbarer Energie erreicht werden, wenn die Verbrauchskurve sinkt und sich die Stadt an auswärtigen Windparks beteiligt. Bei der Wärme reichen jedoch auch die optimistischsten Annahmen nicht aus, Verbrauch und Versorgungsmöglichkeiten zur Deckung zu bringen.

Windkraft problematisch

Dennoch wurden die Untersuchungsergebnisse nicht als Enttäuschung bewertet, sondern als Fingerzeig, wie man sich zumindest in die gewünschte Richtung bewegen kann.

Eine Erkenntnis der binnen eines Jahres erarbeiteten Studie ist die Tatsache, dass es unter den bisherigen Rahmenbedingungen keine geeigneten Standorte für Windkraftanlagen im Stadtgebiet gibt.

Sollten sich jedoch die Richtlinien ändern, wie beispielsweise die vorgeschriebenen Abstände zu Wald und Wohnbebauung, dann muss neu überlegt werden.

Andererseits: Die gewünschten 100 Prozent ließen sich auch durch Investitionen beziehungsweise Beteiligungen an Windkraftanlagen erreichen, die außerhalb des Stadtgebiets liegen.

Für die Solarenergie sehen die Münchener weiteres Potenzial, während die Stromgewinnung aus Wasserkraft im Stadtgebiet ausgereizt ist.

Bei der Abdeckung des Wärmebedarfs sind mit erneuerbaren Energien allerdings bestenfalls 70 Prozent zu erzielen.

Dargelegt haben die Fachleute von K.Group auch, dass die Hersfelder jährlich etwa 90 Millionen Euro für ihren Energieverbrauch aufwenden. Hiervon fließen durch den Import fossiler Energieträger etwa 48 Millionen Euro wieder aus der Stadt ab.

Bürgerversammlung

Beschlossen hat der Ausschuss, sich in Sachen Windkraft von Fall zu Fall zu entscheiden, jeweils Gutachten einzuholen und die Bürger zu beteiligen. Das letzte Wort soll immer die Stadtverordnetenversammlung haben.

Die Studie der K.Group wird Anfang Dezember bei einer Bürgerversammlung der breiten Öffentlichkeit vorgestellt.

Von Karl Schönholtz

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