Festspielkonzerte: Haydns „Schöpfung“ als farbiges Klangmosaik in der Stiftsruine

Ermuntert zum Gotteslob

In der Hersfelder Stiftsruine wurde nach der Aufführung von Haydns Werk „Die Schöpfung“ dem Hersfelder Festspielchor, dem jungen Orchester Sinfonia Silesia Kattowitz, und den drei Solisten – Marta Gamrot-Wrzol (Sopran), Anton Saris (Tenor), Florian Dengler (Bass), – unter der Leitung von Prof. Siegfried Heinrich begeistert applaudiert. Foto: Renata von Trott

Bad Hersfeld. Es gebe an diesem Werk keine Note zu verbessern, meinten einst Dirigenten wie Georg Solti und Leonard Bernstein. Siegfried Heinrich, der nun am Sonntag in der Stiftsruine wieder einmal Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ herausbrachte, wird dem zustimmen.

Es berührt einen bei solch gelungener Wiedergabe erneut, dass große Komponisten wie Bach, Mozart und Beethoven, Bruckner und Brahms, Wagner und Verdi, Bartók und Schostakowitsch bei großen Stoffen und Themen stets einen Überschuss an Genie und Energie zur Vollkommenheit aufwandten. So auch Haydn, der in den ersten Tagen der biblischen Welt schon von Zwietracht und Todesschatten weiß und doch seine Geschöpfe unentwegt zum Gotteslob ermuntert, als sei dies ihre einzige Aufgabe. War es auch in dieser vom Jubel auf dem Konzertpodium und am Ende im Zuschauerparkett gesättigten Aufführung.

Gesättigt auch vom reichen Erfahrungsschatz des Dirigenten. Da gibt es kein Vogelzwitschern und Unschuldslächeln, das nicht die Beachtung des Taktstocks findet. Und doch fügt, schon in den weiträumigen Armbewegungen, alles zum Ganzen sich zusammen zu einem farbenprächtigen Mosaik des Kosmos, einem nicht nur lebendigen, sondern auch durch und durch menschlichen.

Sprechen wir zuerst vom Orchester, der Sinfonia Silesia, Trägerin der meisten Emotionen. Ein polnisches Team, das zeigt, wie sehr die Musik ergreift, wenn sie bleibt, was sie ist: differenziert tönende menschliche Regung. Herausgehoben seien neben der Konzertmeisterin Lucyna Fiedukiewicz (Violine) die vortrefflichen Bläsersolisten Kornelia Nowak (Flöte), Wiktoria Matouska (Oboe), Tomasz Zymia (Klarinette) und Karolina Metrak (Fagott), dazu die dezent die Rezitative am Hammerklavier begleitende Koreanerin Ye-Ree Kim.

Sängerin des Lieblichen

Aus Polen kommt auch die Sängerin des Lieblichen in der „Schöpfung“, die Sopranistin Marta Gamrot-Wrzol als Erzengel Gabriel und Eva, die silberhell, feinziseliert und schwebend leicht durch alle Lagen jubiliert. Einen klar profilierten, biegsamen lyrischen Tenor steuert der Niederländer Anton Saris (Uriel) bei. Der Bassist Florian Dengler (Raphael, Adam) ist mit vitaler Text- und Tonbehandlung für die profunden Äußerungen zuständig. Kleine solistische Einbußen im Klangpanorama entstehen in den Ensemblesätzen.

Eine Klasse für sich wieder der 120-köpfige Festspielchor (mit Frankfurter und Marburger Filialen), der in großer Geschlossenheit und Geschmeidigkeit agiert, natürlich mit den Sopranen als präzisen, klanglich nuancierten Wortführerinnen. Alles in allem ein wunderbares Plädoyer für das, was am Ende der Wagner-Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ erklingt: „Ehrt eure deutschen Meister!“

Von Siegfried Weyh

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