250 Dinge, die wir an der Region mögen (172): Den Klausturm mit Gedenkstein

Erinnerungen wecken

Bad Hersfeld. Eingebunden in die alte Bad Hersfelder Stadtmauer steht am Schillerplatz der Klausturm. Er ist einer von vielen alten Wachtürmen, die in gewissen Abständen in die Stadtmauer integriert sind. 1988 wurde er restauriert.

Der Name des Turms gab auch einer ehemaligen Bad Hersfelder Gaststätte seinen Namen. In der Straße „An der Untergeis“, gegenüber vom Amtsgericht, befand sich damals das über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Tanzlokal „Zum Klausturm“.

Beliebter Treffpunkt

Der Name dieser Tanzkneipe lässt bei vielen älteren Hersfeldern und ehemaligen Grenzschutzbeamten, die in der BGS-Kaserne stationiert waren, (29. August 1963 bis 1. Januar 1998), wo jetzt die Gebäude von Amazon stehen, Erinnerung an längst vergangene Zeiten hochkommen. Viele der damaligen Bad Hersfelder Grenzschützer erinnern sich noch an ihren beliebten Treffpunkt, der in den 1960er-Jahren fast jeden Abend und an den Wochenenden ganz im Zeichen der „grünen Truppe“ stand.

Es wurde Rock’n’Roll getanzt, getwistet und geschwoft, bis die Schuhsohlen qualmten. Die BGS-Leute zählten in dem Lokal zu den Stammgästen. Davon ist leider nichts mehr übrig geblieben, die Gebäude wurden abgerissen oder umgebaut.

Direkt neben dem Klaus-turm steht ein Gedenkstein, der an den ehemaligen Bad Hersfelder Fabrikanten August Gottlieb erinnert. Dieser gründete im Seilerweg im Jahr 1863 eine Seilerei.

August Gottlieb wurde am 8. Dezember 1844 in Waldkappel geboren und war seit dem vierten Lebensjahr, infolge einer Scharlach-Erkrankung, erblindet. Im Jahr 1902 ließ August Gottlieb in der Landecker Straße, in der Nähe des Bahnhofs, neue Fabrikgebäude errichten. Er war einer derjenigen, die die Industrialisierung Hersfelds voranbrachten.

Um so erstaunlicher ist, dass er als Blinder einen großen Betrieb bauen ließ und leitete. Seine soziale Einstellung und Spendenbereitschaft war vorbildlich. Beides war Veranlassung für die Stadt, eine Straße nach ihm zu benennen. Seine Fabrik ist nach seinem Tode in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden und später wurde der Betrieb von den vereinigten Jutespinnereien-und Webereien übernommen.

1965 übernahm die Firma Dynamit Nobel die Fabrik und fertigte Teppichböden, bevor das Werk Ende 1984 den Betrieb einstellte. Noch heute stehen einige der ehemaligen Firmengebäude in der Landecker Straße und werden zum Teil als Warenlager genutzt. Auch das Verwaltungsgebäude ist noch erhalten und beherbergt das Stadtbauamt.

August Gottlieb starb im Alter von nur 58 Jahren am 13. Juni 1903 in Wiesbaden.

Von Gerhard Manns

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