Das Gasthaus Landgrebe schloss im Jahr 1997 seine Türen – heute nur noch Saal

Nur Erinnerungen bleiben

Aus vergangener Zeit: Eine Postkarte zeigt Weißenhasel mit dem Gasthaus Landgrebe in den 60er Jahren.

Weißenhasel. Ein Gast ist angetrunken und verwechselt die Tür des Abstellraums mit der Toilette. In seiner Not nutzt er den Stiefel von Georg Landgrebe, um sich zu erleichtern. „Heute bleiben mir noch die Erinnerungen“, sagt Hans-Georg Landgrebe. Denn das Gasthaus Landgrebe hat sich verändert. Heute werden nur noch die Metzgerei und der Saal betrieben.

Mit Betrieb groß geworden

Vom Jahr 1893 gibt es einen Erlaubnisschein, der belegt, dass Georg Landgrebe, Urgroßvater von Hans-Georg Landgrebe, die Familienwirtschaft betreiben darf. Doch auch schon Jahrzehnte vorher war die Familie im Gastronomiebereich tätig. „Wir sind alle in die Gastwirtschaft reingewachsen“, erzählt Hans-Georg Landgrebe, dessen Vater bis nach seinem Rentenalter das Gasthaus am Laufen hielt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erweiterte er sie um eine eigene Schlachtung und eine Metzgerei. Bei den Arbeiten half die ganze Familie mit. „Ich war zehn Jahre alt, als ich den Kneipendienst machte und nebenbei meine Hausaufgaben erledigte“, erzählt Hans-Georg Landgrebe. Auch seine Wochenenden verbrachte der Junge im Gasthaus, um zu helfen. Dorthin kamen die Menschen besonders gerne wegen der Schnitzel von Leni Landgrebe. „Für ihre guten Schnitzel ist meine Mutter bis heute bekannt“, erzählt Hans-Georg Landgrebe.

Doch die fünf Kinder im Alter zwischen 47 und 58 Jahren gingen ihrer Wege, und so verpachtete Georg Landgrebe, der heute 84 Jahre alt ist, die Gaststätte im Jahr 1997 an Günther Koch. Dieser arbeitete schon seit er 16 Jahre alt war in der Metzgerei. Er leitet den Saal bis heute. Und die Gäste kommen auch heute noch zu Familienfeiern und zum regelmäßig veranstalteten Schlachte-Essen.

Viel Menschliches gelernt

„Während der Zeit im Gasthaus habe ich viel Menschliches gelernt“, sagt der 57-jährige Anwalt. Als seine Eltern Georg und Leni Landgrebe die Gaststätte aufgaben, floss die eine oder andere Träne. Denn Hochzeiten, Konfirmationen und Trauerfeiern aus Weißenhasel, alles fand im Gasthaus Landgrebe statt. „Wir waren auch für alle Vereine Vereinslokal, hatten in der Woche Kartenspielrunden, und die Kirmes fand auf unserem Grundstück im Zelt alljährlich statt“, sagt Hans-Georg Landgrebe. Am Wochenende war das Gasthaus voll, und in den 60er Jahren kamen immer Berliner Feriengäste in die dazugehörige Pension.

„Für mich ging mit der Schließung des Gasthauses ein Lebensabschnitt zu Ende“, sagt der selbständige Anwalt.

Von Magdalena Dräger

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