Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit feierte 25. Geburtstag

Erinnerung wach halten

Während der Festversammlung zum Jubiläum der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit(vorne, von rechts): Vorsitzender Werner Schnitzlein, Bürgermeister Hartmut H. Boehmer, Marie-Luise Boehmer, Dr. Eva Schulz-Jander, Pröpstin Marita Natt.

Bad Hersfeld. Träume und Elan, Weisheit und Toleranz –das wünschte die (katholische) Präsidentin des Koordinierungsrates für christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Dr. Eva Schulze-Jander, der Gesellschaft Bad Hersfeld-Rotenburg zum Gründungsjubiläum. Die Erinnerung an gute und schlimme Zeiten wach zu halten, Wunden zu heilen und Erfahrungen an die nächste Generation weiterzugeben sei Aufgabe der Brückenbauer zwischen deutscher und jüdischer Kultur.

Alle sagen Dank

Die fröhliche Ausgelassenheit des jüdischen Purimfestes klang in der Musik der Gruppe „flauto dolce“ (Blockflöten, Klavier, Saxofon) an, die von Händels „Wassermusik“ bis zu einem Tango reichte. Dazu trugen auch die kleinen jüdische Spezialitäten bei.

Werner Schnitzlein hielt zunächst Rückblick auf die 25 Jahre der Gesellschaft (HZ berichtete): „Wir waren nicht die Ersten – sind aber immer aktiv geblieben“. So wurde jetzt erstmals in der deutschen Geschichte ein Austausch zwischen deutschen und israelischen Berufsschülern organisiert.

Vier Gründungsmitglieder: Karl Honikel, Werner Schnitzlein, Manfred Ponto und Günter Waap (von links). Foto: Hohmann

Prälatin Marita Natt wies mit dem Kirchenlied „Freunde, wenn der Mandelbaum wieder blüht“ auf Schalom Ben-Chorin hin. Dieser jüdische Religionswissenschaftler und Journalist setzte sich vor allem für den christlich-jüdischen Dialog ein und war 1985 Schirmherr der Hersfelder Vereinsgründung. Seine Worte bei der damaligen Veranstaltung gab es noch einmal zu hören. Marita Natt wünschte der Gesellschaft weiterhin wachrüttelnde Achtsamkeit.

Bürgermeister Hartmut H. Boehmer erinnerte an die historische Schuld. Wir Heutigen hätten das Büßerhemd aus dieser schlimmen Zeit geerbt. Deshalb sei es gut, dass es eine Gesellschaft für christlich-Jüdische Zusammenarbeit auch bei uns gibt. Er kündigte den 6. September als ersten Termin für das Projekt „Stolpersteine“ an (siehe unten) und schloss mit dem jüdischen Friedensgruß Schalom.

In Vertretung des vom Sturm betroffenen Landrats hob Kreisbeigeordneter Reinhold Iffert hervor, dass diese Jubiläumsfeier verdeutliche, wie viele Denkblockaden auf beiden Seiten durch Einfühlungsvermögen und Ausdauer aufgehoben werden konnten. Das Geschenk der Gemeinsamkeit zwischen Christen und Juden müsse verstärkt an die Jugend weitergegeben werden.

Der (katholische) Vorsitzende der Hersfelder Gesellschaft, Dr. Werner Arens, sprach im Namen der Mitglieder den besonderen Dank an Werner Schnitzlein aus. Dieser habe nicht nur 25 Jahre den Verein geführt, sondern sei auch Seele und Motor gewesen.

Von Uwe Hohmann

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