Acht der 16 Rumänen vom Johanneshof in Nentershausen können auf Arbeit hoffen

„Erika“ lockte mit Jobs

Hoffen auf eine gute Zukunft (von links): Florin Mocanu, Lucian Tamas, Andrea Ceadir, Dorina Radulescv, Margareta Trutan, Mihai Fiat, Erica Munteanu und Roxana Mos. Foto: Linke

Nentershausen. Mit der Hoffnung auf ein besseres Leben und dem Wunsch, in Deutschland einen Arbeitsplatz zu finden, ist Mihai Fiat mit seinen Kollegen nach Deutschland gekommen. In ihrem Heimatland verdienten sie zwischen 200 und 300 Euro im Monat.

„Wir haben alle noch bei unseren Eltern gewohnt“, sagt Lucian Tamas. Allein zu wohnen könne sich der Allgemeinmediziner finanziell nicht erlauben. Seit Januar ist der deutsche Arbeitsmarkt auch für Rumänen und Bulgaren frei zugänglich. „Wir haben gehofft, in Deutschland einen besser bezahlten Job zu bekommen“, sagt Mihai Fiat.

Ziel über Nacht geändert

Über eine Vermittlungsperson namens „Erika“ wurde die Gruppe in Rumänien darüber informiert, dass es in der Nähe von Frankfurt Jobs für sie gebe. „Wir hatten nichts in der Hand“, sagt Mihai Fiat. Die Gruppe habe darauf vertraut, dass die Angabe stimme, und ihre Arbeitsplätze in Rumänien dafür aufgegeben. Das Ziel der Reise habe sich dann über Nacht auf dem Weg nach Deutschland geändert, sagt Mihai Fiat. Letztendlich landete die Gruppe in Weißenhasel auf dem Johanneshof von Friedrich Wilhelm Wagner.

Am Tag der Ankunft sei der Geschäftsführer einer Firma aus Eisenach zum Hotel gekommen und habe der Gruppe versichert, dass alles in Ordnung sei, sagt Wagner. In Rumänien wurde ihnen gesagt, dass ihnen die Reisekosten von 100 Euro erstattet werden, ebenso wurde ihnen ein Taschengeld von 300 Euro versprochen. „Bis heute haben wir das Geld nicht bekommen“, sagt Mihai. „Wir hatten alle kein Geld dabei“, sagt der 25-jährige Krankenpfleger. Es wurde ihnen gesagt, sie würden keines benötigen.

Außerdem sollte die Gruppe in einem Sprachkurs Deutsch lernen. Die Lehrerin sei jedoch nur zweimal in drei Wochen auf dem Johanneshof gewesen, sagt Fiat. Der Weg zurück sei für die acht verbliebenen Rumänen keine Option: „Wir haben ja kein Geld.“

Die Zentrale Arbeitsvermittlung (ZAV) in Bonn versucht derzeit, die medizinischen Fachkräfte in ein Arbeitsverhältnis zu vermitteln. Es müsse jedoch zunächst geprüft werden, welche beruflichen Qualifikationen die acht Rumänen haben. „Die jungen Menschen können also nicht direkt ins Berufsleben starten“, sagt Marion Rang, Sprecherin der ZAV.

„Wir vertrauen der deutschen Regierung und hoffen, dass wir bald Deutsch lernen und arbeiten können,“ sagt Lucian Tamas. „Wir sind im Johanneshof und im ganzen Dorf sehr gut aufgenommen worden“, ergänzt Mihai Fiat. „Wir sind sehr gern hier.“ Dennoch seien sie nicht nach Deutschland gekommen, um in Weißenhasel Ferien zu machen – sondern um zu arbeiten.

Von Miriam Linke

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