Der ehemalige Geschäftsführer der Jugendwerkstatt, Christoph Dahl, zieht Bilanz

Die Erfolge wurden weniger

Prominenter Besuch in der Jugendwerkstatt: Ministerpräsident Roland Koch war 2006 da und auch Bundespräsident Johannes Rau informierte sich über die Arbeit mit den Jugendlichen. Foto: Archiv

Hersfeld-Rotenburg. Jugendliche unterstützen auf dem Weg in die Berufswelt, das war dreißig Jahre lang das Anliegen der Jugendwerkstatt. Die Einrichtung der Diakonie soll nun zum Ende des Jahres 2012 geschlossen werden (wir berichteten). Im Gespräch mit unserer Zeitung zieht der bisherige Geschäftsführer Christoph Dahl Bilanz.

Die Erfolge, so betont Dahl, liegen in den einzelnen Lebensgeschichten. Für viele Jugendliche gab es nach dem Besuch in der Jugendwerkstatt gute Anschlussperspektiven. Sie fanden betriebliche Ausbildungsplätze und bekamen Boden unter die Füße.

Therapie nötig

Doch die Erfolge wurden weniger. „Ausbildung und Berufseinstieg sind gar nicht Thema für viele der Jugendlichen, die jetzt noch bei uns sind“, erklärt Dahl. Sie hätten eher Bedarf an Therapie, hätten massive Probleme mit Drogen, Alkohol und sich selbst. „Depressionen sind keine Seltenheit bei Jugendlichen“, hat Dahl beobachtet. Allein mit dem Angebot einer Tagesstruktur und der beruflichen Perspektive sei hier nicht zu helfen.

Für andere Jugendliche sei dagegen die Möglichkeit, bei den Logistikern in der Region schnelles Geld zu verdienen, reizvoller als der lange und mitunter schwierige Weg durch eine Ausbildung. Das Resultat: Von den 16 Plätzen, die die Jugendwerkstatt anbietet, waren zuletzt nur noch sechs oder sieben belegt. Der Zweckverband Diakonie zog deshalb die Reißleine und verkündete das Aus für die Jugendwerkstatt zum Ende des Jahres 2012.

Gegründet wurde die Jugendwerkstatt im Jahr 1982 als Verein. 2004 wurde sie dann in eine gemeinnützige Gesellschaft umgewandelt mit dem Zweckverband für Diakonie als einzigem Gesellschafter. Finanzielle Probleme gab es in all den dreißig Jahren immer wieder. Und immer wieder wurden neue Projekte entwickelt, die den Jugendlichen sinnvolle Arbeit ermöglichen und sie so, bei gleichzeitiger sozialpädagogischer Betreuung, auf das Berufsleben vorbereiten sollten: Da wurde die Alte Schmiede saniert und als Werkstatt hergerichtet, kaputte Waschmaschinen repariert oder ausgeschlachtet, es gab Umzugshilfe und eine Gruppe, die Grünflächen pflegte, hauswirtschaftliche Projekte und einen Laden für gebrauchte Möbel.

Andere soziale Einrichtungen, die Agentur für Arbeit, das Jugendamt oder den Landkreis als Träger der Grundsicherung – die meisten Jugendlichen beziehen Hartz IV – erlebte Christoph Dahl dabei als gute Partner. „Es gab immer ein konstruktives und lösungsorientiertes Miteinander. Da bin ich auch richtig dankbar dafür“, sagt er.

Von den verbleibenden Jugendlichen werde niemand nach der Schließung der Jugendwerkstatt auf der Straße stehen, versichert Dahl. Und er ist überzeug davon, dass einzelne Projekte, wie zum Beispiel die SchuB-Klassen, zukunftsfähig sind und von anderen Trägern übernommen werden sollten.

Von Christine Zacharias

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