Wochenendporträt: Alaa Khalil aus Bebra ist Preisträger beim Jungen Literaturforum

Erfolg in zehn Zeilen

Preisgekrönter Nachwuchsdichter: Alaa Khalil aus Bebra ist einer von 25 Preisträgern beim Schreibwettbewerb Junges Literaturforum Hessen-Thüringen. Auf unserem Bild präsentiert er einen Entwurf der Gedichte, die er zum Wettbewerb eingereicht hat. Foto: Eisenberg

Bebra. „Ich wachte auf, sah einen Rosenverkäufer. Ich freute mich sehr, er tauschte eine Rose gegen ein Herz. Ich hatte ein Herz, es war voller Schmerz und Kummer.“ Schon der Anfang des Gedichtes „Rosenverkäufer“ offenbart tiefsinnige Poesie. Geschrieben hat diese Zeilen Alaa Khalil aus Bebra. Mit seinem Gedicht wurde der 22-Jährige als Preisträger beim Schreibwettbewerb Junges Literaturforum Hessen-Thüringen ausgewählt.

Aus 640 Einsendungen schaffte es Khalils Zehnzeiler unter die besten 25. Auf welchen Platz er es geschafft hat und welchen Preis er bekommt, weiß Alaa Khalil noch nicht genau. Denn die Preisverleihung findet erst am 2. Juni in Erfurt statt. Den Besten winken Wochenendseminare mit Schriftstellern und Geldpreise in Höhe von jeweils 500 Euro. Die besten Texte werden im Kultursender HR2 vorgelesen. Auf jeden Fall werden die Werke der Preisträger in der Anthologie „Nagelprobe“ veröffentlicht.

Vor drei Jahren, erzählt Alaa Khalil, habe er auf Anregung seiner Klassenlehrerin zum ersten Mal am Wettbewerb teilgenommen. „Ich habe mir gesagt, irgendwann muss es klappen“, erzählt Alaa Khalil. So schickte er auch in diesem Jahr drei Gedichte per E-Mail ein. Mit Erfolg – die Jury bescheinigte seinem Werk „Rosenverkäufer“ Kreativität und Sensibilität.

Etwa 25 Gedichte hat Alaa Khalil bereits verfasst. Dabei lässt er sich von Begebenheiten des Alltages inspirieren. Nachdem ihm in Dortmund ein Rosenverkäufer begegnet war, entstand das gleichnamige Werk. Das Schreiben ist für Alaa Kahlil ein Hobby. Abends, kurz vor dem Einschlafen, kämen ihm meist die besten Ideen, sagt der Fach

-abiturient. Die notiert er zunächst handschriftlich und tippt sie schließlich am Computer ab. Die meisten seiner Werke verfasst Alaa Khalil auf Deutsch, nur wenige in seiner Muttersprache. Der 22-Jährige stammt aus den kurdischen Gebieten Syriens. Vor zehn Jahren kam er mit seiner Familie nach Deutschland. Derzeit besucht er die zwölfte Klasse der Beruflichen Schulen in Bebra. Jetzt stehen für ihn die schriftlichen Prüfungen für das Fachabitur an. Ein Studium der Medizin oder an einer Polizeiakademie hat er für die Zeit danach ins Auge gefasst.

Vorbild für andere

Mit seinem guten Abschneiden sieht Alaa Kahlil sich ein Stück weit auch als Vorbild für andere Jugendliche mit ausländischen Wurzeln. „Viele machen nicht mal einen richtigen Haupt- oder Realschulabschluss“, sagt er.

Wenn genügend Werke zusammengekommen sind, möchte er sie in Buchform veröffentlichen. Auch im nächsten Jahr will er wieder einen Beitrag für das Literaturforum einreichen. „Bis dahin fällt mir bestimmt etwas ein“, sagt er lachend.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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