Kersten Eidam möchte das Erbe bewahren - Fachwerkhaus von 1592

Forstamt in Bad Hersfeld präsentiert sich nach Umbau energieeffizient

+
Historisches Forstamtsgebäude: Die Sanierung des 1592 errichteten Fachwerkgebäudes gestaltete sich nicht immer einfach. Dennoch konnten alle notwendigen Arbeiten abgeschlossen werden – ohne dabei den Kostenrahmen zu sprengen.

Bad Hersfeld. Kersten Eidam kann in seinem Büro den Tee endlich genießen. Der 52-jährige Bereichsleiter Dienstleistung/Hoheit vom Forstamt Bad Hersfeld ist stolz auf das renovierte Forstamtsgebäude.

Die letzte Sanierung war vor 30 Jahren – viel zu lange für das 1592 errichtete Fachwerkgebäude, welches alle 15 bis 20 Jahre überprüft werden sollte, so Eidam.

Es war ein wichtiges Projekt für Eidam: „Wir wollen das Erbe hier bewahren.“ Und das war alles andere als einfach, als die Arbeiten vor vier Jahren begannen. Eidam erinnert sich: „Die Fenster waren einfach verglast. Das ganze Gebäude war energetisch nicht auf dem neusten Stand. Die Wärmewerte waren jenseits von Gut und Böse.“ Zunächst stand die Änderung des Innenklimas auf dem Programm, denn viel Wärme entwich durch die Fenster.

Das Problem dabei: Die Wärme würde einen anderen Weg nach draußen suchen, feuchte Luft könnte das Gebälk zum Faulen bringen. Professor Manfred Gerner, ein Spezialist im Fachwerkbau, wurde zu Rate gezogen. Ein Glücksfall, wie sich herausstellte. Denn Gerner hatte bereits bei der Sanierung vor 30 Jahren mitgewirkt. Die Hersfelder Architektin Angela Niering wurde mit dazu geholt. Im April dieses Jahres konnten dann die Hauptarbeiten beginnen.

Mit einem Hubsteiger wurde das ganze Gebäude befahren. Es wurde gebohrt, um Fäulnis im Gebälk zu finden. Auch nach Rissen im Gefache wurde gesucht. Einen Grund für die Fäulnis in den Balken glaubt Eidam zu kennen: „Früher wurden die Balken mitunter 50 Jahre getrocknet. Bei der letzten Sanierung geschah dies künstlich.“

Das letzte zu erneuernde Stück: Kersten Eidam vom Forstamt präsentiert das ehemalige Kutscherfenster, welches im August erneuert wird. Die restlichen Sanierungsarbeiten sind größtenteils abgeschlossen.

Doch nicht nur am Haus wurde in der Zeit gearbeitet. Nachdem die alte Erdgasheizung den Mitarbeitern im Herbst „um die Ohren geflogen“ war, wurde eine moderne Holzpelletheizung angeschafft. Die alte Garage dient als Lager. Das Nebengebäude wurde zu einem Besprechungsraum umfunktioniert. Die Dienstwohnung, die bis 2005 im Forstamt war, ist einem Besprechungs- und Sozialraum sowie weiteren Büros gewichen, so dass jeder Mitarbeiter nun ein eigenes hat.

Alles, ohne den Kostenrahmen zu sprengen. Dieser betrug 400 000 Euro, davon entfielen 180.000 Euro auf das Hauptgebäude. Das Geld wurde vom Forstamt selbst erwirtschaftet.

Positive Effekte spüren die Mitarbeiter schon jetzt. Durch die Wärmeschutzverglasung ist es im Sommer bis zu zehn Grad kühler. Lediglich zwei wichtige Projekte fehlen noch. Zum einem soll der Dachstuhl dem Fledermausschutz dienen. Zum anderen wird das alte Kutscherfenster, durch das früher die Kutschen zum Holzabladen fuhren, im August erneuert.

Den Zettel mit dem Termin für die nächste Überprüfung hat Eidam übrigens schon geschrieben. Er dürfte dann kurz vor der Pension stehen. Damit auch sein Nachfolger das Erbe fortführen kann. (mor)

Mehr zum Thema lesen Sie in der gedruckten Zeitung und im E-Paper.

Mehr zum Thema

Kommentare