Politiker aus der Region zu Christian Wulff

Entspricht er den hohen Maßstäben?

Albert Fernau

Hersfeld-Rotenburg. Die Kritik an Bundespräsident Christian Wulff (CDU) wird nach den jüngsten Veröffentlichungen über dessen versuchte Einflussnahme auf kritische Berichterstattung immer vehementer. Auch die Politiker aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg diskutieren über Wulffs Verhalten. Wir haben nachgefragt:

„Es liegt vor allem an Herrn Wulff selbst zu beurteilen, ob und inwieweit er den zu Recht hohen Maßstäben, die an das Amt des Bundespräsidenten gelegt werden, angemessen zu entsprechen vermag“, sagt der Bundestagsabgeordnete Michael Roth (SPD). Seiner Meinung nach ist das Verhalten des Herrn Wulff Wasser auf die Mühlen all der Demokratieverächter und trage zur Politikerverdrossenheit bei.

Völlig überzogen

„Die eigentliche Ursache eines um Jahre zurückliegenden privaten Darlehensvertrags ist in einer Weise aufgebauscht worden, die völlig überzogen war“, findet hingegen der CDU-Bundestagsabgeordnete Helmut Heiderich aus Friedewald. Auch wenn Christian Wulff sich mehrfach ungeschickt verhalten habe, gehe es nicht – wie etwa bei Johannes Rau damals – darum, dass er öffentlich-rechtliche Einrichtungen zu seinem Vorteil genutzt habe.

„Zudem hat er mit seiner bisherigen Arbeit – man denke nur an den Israel-Besuch – unser Land erfolgreich präsentiert“, sagt Heiderich. Was jetzt stattfinde, sei eine mediale Hatz, wie sie als Fuchsjagd bei den Jägern längst verboten sei.

„Meiner Meinung nach ist zuviel Geschrei um den Mann gemacht worden – es gibt ja gar kein anderes Thema mehr“, sagt Bebras Erster Stadtrat Albert Fernau (CDU). Fernau vermutet, dass Wulff die jüngsten Entwicklungen sein Amt kosten werden. „Es ist wirklich schade, dass wir innerhalb von kürzester Zeit nun zweimal unser Staatsoberhaupt verlieren“, sagt der 71-jährige Blankenheimer.

Falsch eingeschätzt

„Er hat vielleicht einiges falsch eingeschätzt. Es gilt aber zwischen privaten und öffentlichen Dingen zu unterscheiden. Ich weiß nicht, ob sein Renommee tatsächlich so beschädigt ist, dass er gehen muss. Wir sind doch alle keine Supermenschen“, zeigt sich Heringens Bürgermeister Hans Ries verständnisvoll.

Von Mario Reymond, Peter Gottbehüt und Christine Zacharias

Kommentare