Veranstaltung der Grünen zur „Gentechnik auf dem Teller“ in der Stadthalle

Entscheidung beim Einkauf

Plädoyer für gesundes Essen: Georg Sedlmaier hält seinen Vortrag vor dem neuen Logo, das in Zukunft alle Lebensmittel, die ohne Gentechnik produziert wurden, tragen sollen. Fotos: Radick

Bad Hersfeld. Mit einem Gen-Kabarett begann der Abend zum Thema „Gentechnik auf dem Teller“, zu demdie Grünen in die Bad Hersfelder Stadthalle eingeladen hatten. Über hundert interessierte Bürgerinnen und Bürger erlebten Johannes Lutz in der Rolle des schwäbische Kleinbauern Erwin Hägele.

„Der Mensch hat 46 Chromosomen, der Schwabe 47.“

Johannes Lutz

Der brachte die Anwesenden zwar nicht unbedingt zum Lachen, aber zumindest auf einen aktuellen Informationsstand in Sachen Gentechnik. Begriffe wie Gen, DNS oder Genom wurden verständlich erklärt. Das Prinzip der Gentechnik verdeutlichte Lutz anhand von verschiedenfarbiger Nylonschnüre.

Die Expertenrunde mit drei Vorträgen wurde nach dem Kabarett von Antje Fey-Spengler geleitet.

„Ehrfurcht und Respekt“

Als erster Referent sprach der Beauftragte für Umweltfragen im Kirchenkreis Hersfeld, Pfarrer Carsten Köthe, von der Verantwortung gegenüber dem Leben, die Menschen als Geschöpfe Gottes hätten. Er betonte vor allem die ethische Problematik der Gentechnik.

Gentransfer

Diplomlandwirt Dr. Peter Hamel erläuterte gut verständlich den sogenannten horizontalen Gentransfer. Dieser sei dafür verantwortlich, dass gentechnisch produzierte Lebensmittel, ebenso wie Produkte von Tieren, die mit gentechnisch verändertem Futter gefüttert würden, beim Menschen gesundheitliche Folgen auslösten.

Als dritter Redner sprach Georg Sedlmaier, der bis vor kurzem Vorstandsmitglied der Lebensmittel-Kette tegut war und die „Interessensgemeinschaft für gesunde Lebensmittel“ gründete.

„Jeder Einkauf ist ein Stimmzettel.“

Georg Sedlmaier

Er sei das erste Mal auf die Bedeutung gesunder Ernährung aufmerksam geworden, als er in Amerika stark übergewichtige Kinder gesehen habe. Auch die knapp 8000 Neurodermitiskranken in Deutschland regten ihn zum Nachdenken an, bis er schließlich 1997 die Interessensgemeinschaft gründete.

Ziel dieses Vereins ist es, die Produktpalette von gesunden Lebensmitteln ständig zu erweitern, so dass der Einkäufer sich bewusst für gentechnikfreie Lebensmittel entscheiden kann.

Jeder Einkauf sei ein Stimmzettel, sagte er enthusiastisch, und nur durch eine Veränderung des Kaufverhaltens könne man die Expansion der Gentechnik aufhalten.

Nach den drei Vorträgen beteiligten sich die Zuhörer an einer Frage- und Diskussionsrunde. Der ehemalige Kreistagsabgeordnete Dr. Günther Burckhardt bezeichnete dabei die Monopolkonzerne für genetisch verändertes Saatgut als die bösartigste Mafia, die es jemals gegeben habe.

Pfarrer Hartmut Sippel aus Sorga betonte, dass ein Arzt immer fleißig Medikamente verschreibe, aber nur selten auf den Zusammenhang von gesunder Ernährung und Gesundheit hinweise.

Von Irene Radick

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