Nora Gutberlet aus Bad Hersfeld ist ehrenamtlich als Familienbegleiterin im Einsatz

Entlastung im Alltag

Nora Gutberlet aus Bad Hersfeld unterstützt ehrenamtlich eine junge Familie mit kleinem Kind. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Die Zeit war da und die Erfahrung auch. Die 62-jährige Nora Gutberlet aus Bad Hersfelder ist ehrenamtlich als Familienbegleiterin im Einsatz und betreut derzeit eine junge Familie aus Unterhaun mit einem zweijährigen Kind. Der Vater ist beruflich viel unterwegs, die Mutter kommt ohne Auto und private Kontakte nur selten raus.

„Ich bin wie eine Oma, die dazu gekommen ist“, sagt die gelernte Kinderkrankenschwester Gutberlet. Die Chemie zwischen ihr und „ihrer“ Familie habe sofort gestimmt, ansonsten sei eine Zusammenarbeit auch kaum möglich. Man müsse allerdings akzeptieren, dass nicht jeder so lebt wie man selbst und entsprechend offen und gesellig sein.

Projekt seit 2012 im Kreis

Zu ihrem Ehrenamt ist die Bad Hersfelderin über das Projekt „Hand in Hand – Begleitung für junge Familien“ im Kreis Hersfeld-Rotenburg gekommen. 2012 sind gemeinsam mit dem Sozialdienst Katholischer Frauen Fulda erstmals elf Frauen geschult worden, die Familien mit kleinen Kindern unterstützen, indem sie ein- bis zweimal in der Woche zum Beispiel mit dem Kind spazieren gehen, spielen oder singen, und die Eltern während dieser Zeit entlasten. Gemeinsame Ausflüge mit den Eltern sind aber natürlich ebenfalls möglich.

„Es gibt immer Familien, die Bedarf haben“, erklärt Ulrike Stauffenberg, die beim Kreis für das Netzwerk „Frühe Hilfen“ zuständig ist. Das Projekt „Hand in Hand“ ist 2012 in Anlehnung an ein ähnliches Projekt in Fulda ins Leben gerufen worden. Fördergelder gibt es dafür vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die Begleitung der Familien erfolgt auf freiwilliger Basis. Das ist Stauffenberg wichtig zu betonen. Den Familien würde präventiv Unterstützung angeboten, es handle sich nicht um Familien, die vom Jugendamt betreut würden. „Wir unterstützen und entlasten die Familien, nicht mehr und nicht weniger“, sagt Nora Gutberlet, und betont ebenfalls: „Wir sind nicht das Jugendamt.“

Nora Gutberlet hat nicht nur als Krankenschwester gearbeitet, sondern auch in der Erwachsenenpflege und im Bereich Psychiatrie. Der Umgang mit Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen ist ihr deshalb vertraut. Und sie weiß: „Es ist wichtig, nicht zu werten.“ Dass im Leben und in der Familie nicht immer alles rund läuft, hat die 62-Jährige selbst erfahren müssen. Sie weiß deshalb auch, dass es manchmal sinnvoll sein kann, Hilfe von außen zu erhalten: „Von anderen nimmt man leichter etwas an, als von Personen, mit denen einen eine gemeinsame Geschichte verbindet.“ Die Mutter einer Tochter kümmert sich auch um die siebenjährige Enkelin, die bei ihr lebt. Seit etwa fünf Jahren ist Gutberlet nicht mehr berufstätig. Mit der Familie, die sie ehrenamtlich begleitet, unternimmt sie manchmal auch gemeinsam mit der eigenen Enkelin etwas: einen Ausflug in den Jahnpark, zum Schlittenfahren oder Bummeln in der Stadt.

Ihre positive Lebenseinstellung möchte Nora Gutberlet gerne weitergeben. Demnächst wird sie eine zweite Familie kennenlernen, die sie ein wenig entlasten möchte. Die Entscheidung, einer fremden Familie die Hand zu reichen, hat sie nicht bereut. Text unten

Von Nadine Maaz

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