Die Festspiel-Schauspielerin Nina Petri gastierte im Grebe-Keller

Entladene Leidenschaft

Talent und Leidenschaft: Nina Petri bei ihrem Auftritt im Grebe-Keller, rechts Norbert Hotz am Kontrabass. Foto: mu

Bad Hersfeld. Mit ihrer musikalisch literarischen Revue „Nina between Don and Ray“ verabschiedete sich Schauspielerin Nina Petri im Grebekeller von der Festspielstadt. Das Programm präsentierte sich wie eine musikalische Pinnwand, auf der sie ihr Talent und ihre Leidenschaft entlud, mit Texten von Anne Sexton und Dorothy Parker, Songs von Tom Waits, den Rolling Stones oder Ray Charles, einem Reigen aus berühmten Namen, in den sie überraschend stimmig einen Text von Erich Kästner einfügte.

Mit „Don“ (Rainer Lidski, Piano) und „Ray“ (Norbert Hotz) hatte Petri zwei elegante Musikgentlemen an ihrer Seite, die es verstanden, die Dame in ihrer Mitte bedingungslos strahlen zu lassen. Vornehm zurückhaltend untermalten sie Petris Gesang meisterhaft auf e-Piano und Kontrabass.

Power-Paket

Als energisches Power-Paket unerbittlich im Griff hatte die Sängerin beide Musiker, die immer wieder untereinander Spitzen austauschten, wenn sie um die temperamentvolle Frau konkurrierten. Kleine Spitzen verteilte sie gerecht auf ihre Musikpartner, beschenkte sie aber auch mit liebevoller Zuwendung: sie schmuste mit dem Pianisten, während der ein Lied spielte, ließ sich dann von einem tiefen Ton auf dem „erotischsten Instrument ever“ des Bassisten einmal quer über die Bühne locken, und widmete ihm sogleich ein Gedicht von Ernst Karl („Tom und Monique“).

Petri und ihre Partner verpassten dem Programm eine abwechslungsreiche Dynamik, Jazzstandards und Instrumentalstücke gaben den zahlreichen Gästen im Gewölbekeller Raum für Gedanken über die vorgetragenen Texte. Dabei ergänzten sich die Drei aufs Angenehmste, wenn beispielsweise Ray mit dem Bass mitten in einem vorgetragenen Text einsetzte, dessen Rhythmik hervorhob und sie im Duo mit der klaren, tiefen Stimme Petris verschmelzen ließ.

Bandbreite der Liebe

Inhaltlich ging das Trio durch die gesamte Bandbreite der Liebe, von bedingungslos bis abgenutzt, und auch der Humor kam nicht zu kurz, wenn eine Liebende, der in der Jugend das Herz gebrochen wurde und die nun den Spieß umdrehte, sogleich im Haydn-Trio ihr Fett wegbekam.

Nina Petri sprang mit ihrer Stimme vom verkatert klingendem „Good Morning Heartache“ zum tiefen ruhigen Ton eines Tom Waits. Dem setzte sie nach kurzem tiefen Durchatmen den fröhlichen Ohrwurm „Makin’ Whoopee“ obendrauf, lässig untermalt von Piano und Kontrabass und gab kleine Tanzeinlagen. Dazu reihte sich schöner harmonischer Gesang des Trios bei Peter Gabriels Song „Mercy Street“, zu Ehren Anne Sextons geschrieben.

Das freundschaftlich-kreative Verhältnis der drei unterstrich Petri mit einer abgewandelten Textzeile aus Lindenbergs „Hinterm Horizont“: „Denn drei wie wir, die können sich nicht verlieren“, sang sie in den fröhlichen Zuschauerchor hinein, der sich mit langanhaltendem Applaus für den Abend bedankte. (mu)

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