250 Dinge, die wir an der Region mögen (73): Märzenbecher am Rim- und Eisenberg

Endloser Blütenteppich

Einen seltenen Blickwinkel auf die Burg Herzberg und Fernsicht bis zum Hohen Vogelsberg bietet einer der Wege zum Gipfel des Rimbergs. Foto: Urban

BREITENBACH/H. Durch die Autobahnraststätte, den Fernseh- und den Funkturm ist der Rimberg weit über die Grenzen des Kreisgebietes hinaus bekannt. Wer hierher kommt, um zu rasten, hat zwei Möglichkeiten: Entweder er unterbricht eine Autofahrt nur für eine kurze Rast oder er gönnt sich eine Pause vom Alltag mit einem Spaziergang, der eine grandiose Fernsicht und atemberaubende Naturschönheit bietet.

Vom Rasthaus kann man die Spitze des Rimbergs auf weitgehend geteerten Wegen bequem zu Fuß erreichen. Eine Strecke führt gegenüber dem Parkplatz rechts in den Wald Richtung Fernsehturm. Durch die Bäume blitzt hier und da der Funkturm auf dem Eisenberg, unten schmiegt sich der Ortsteil Machtlos ins Tal. Der andere Weg verläuft ein Stück oberhalb der Autobahn parallel zu ihr in den Wald hinauf. Hier geben die Buchen nach wenigen hundert Metern den Blick frei auf die benachbarte Burg Herzberg. Weiter hinten drehen sich die Windräder auf den Höhen des Vogelsberges und mit etwas Glück zeigt sich am Horizont sogar der Fernmeldeturm auf dem Hoherodskopf. Vogelgezwitscher hat das Brummen der Motoren abgelöst, die klare Luft riecht nach Moos und frischem Gras.

Am eingezäunten Gelände des Hessischen Rundfunks zweigt ein Waldweg nach rechts ab. Hier, wo in den 70er Jahren ein Freizeitpark mit Sesselbahn, Skilift, Autoscooter und Gaststätte zahllose Besucher anlockte, hat die Natur ihren Raum zurückerobert und feiert jedes Jahr die Ankunft des Frühlings. Es ist still. Der Schnee ist abgetaut und durch die noch kahlen Bäume dringen die ersten wärmenden Sonnenstrahlen.

Aus welkem Laub, trockenen Grashalmen, alten Wurzeln und dürren Ästen schauen weiße Glöckchen hervor. Märzenbecher übersäen in einem schier endlosen Teppich den Waldboden und verströmen ihren leichten Veilchenduft. Zwischen den Säulen der Buchen-Kathedrale wirken die zarten Blumen wie Kinder in Sonntagskleidern kurz vor dem Gottesdienst.

Kein Mensch hat sie hier gesetzt, niemand kümmert sich um sie und dennoch sind sie da, um mit ihrem lautlosen Fest überschwängliche Lebensfreude zu verbreiten. Ihre Blüten ähneln denen der Schneeglöckchen, sind aber etwas breiter und haben grüne Spitzen.

Nach der Bundesartenschutzverordnung gelten die giftigen Frühlings-Knotenblumen (Leucojum vernum) als besonders geschützt und stehen auf der Roten Liste gefährdeter Pflanzen. Sie brauchen feuchte, nährstoffreiche, leicht saure Ton- und Lehmböden und bilden nur selten größere Bestände. Deshalb hofft auch der zuständige Revierförster Andreas Weber, dass die Spaziergänger sich vor Ort an der Pracht erfreuen, statt sie zu pflücken und zuhause welken zu sehen oder gar eine Knolle auszugraben. Außerdem: Auf einem Foto blühen sie das ganze Jahr.

Von Dagmar Urban

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