(249): Die Fulda – unser schöner Fluss durchquert den Landkreis

Sie endet mit ’nem Kuss

Naturbelassen und ein Paradies für Mensch und Tier: Die Fulda bei Mecklar. Foto: Manns

Bad Hersfeld. Nein, die Lebensadern unserer Region sind nicht mehr die Wasserwege, sondern längst die Autobahnen, ja, vielleicht sogar die Daten-Highways des Internets. Die Flüsse indes, in deren fruchtbaren Auenlandschaften sich unsere Vorfahren dereinst ansiedelten, sorgen bis heute aber für den Lebenswert unserer Region.

220,7 Kilometer mäandert die Fulda von ihren zwei Quellen in 850 Metern Höhe auf der Wasserkuppe bis zum Zusammenfluss mit der Werra bei Hann. Münden durch unsere Region. Sie ist ein Paradies für Wassersportler, Erholungssuchende und allerlei Getier. Bei jedem Wetter sieht der Fluss anders aus.

Im Sonnenschein gleißt die stille Wasseroberfläche fast zum Augentränen. Liegt dichter Nebel über den Auen, verbirgt sich der Fluss unter einem Schleier und verrät sich dem einsamen Wanderer am Ufer nur durch sein leises Glucksen und Strudeln. Und in ganz eisigen Wintern trägt der Fluss sogar einen trügerischen Eispanzer. Da steht dann so manches Bübchen am Ufer und fragt sich insgeheim: Soll ich‘s wagen?

Vor langer Zeit war die Fulda sogar bis Bad Hersfeld schiffbar. Landgraf Moritz von Hessen ließ die Fulda im Jahr 1601 und 1602 entsprechend ausbauen. In Rotenburg existiert sogar noch eine Schleuse aus dieser Zeit. Heute aber ist die Fulda weitgehend naturbelassen. Der Fluss hat Platz und ist nicht, wie andere Ströme, in ein starres Bett aus Beton gezwängt.

Die Fulda gehört heute den Kanuten und einigen Ruderern. Doch auch wenn der Fluss meist beschaulich durch die Auenlandschaft plätschert, sollten die Wassersportler sie nicht unterschätzen. Immer wieder kentern Kanuten im Fluss.

Vor allem in Hochwasserzeiten verwandelt sich die Fulda an schmalen Stellen in einen reißenden Strom. Das Fuldatal gleicht dann oft in einen großen Binnensee. Zwischen Asbach und Niederaula entsteht eine Seenplatte ungeahnten Ausmaßes. Doch wirklich Schaden richtet die Fulda, anders als andere Flüsse, bei uns nicht an – denn sie hat Platz sich auszubreiten.

Der wohl schönste und beliebteste Radwanderweg Deutschlands führt durch das Fuldatal – immer am Fluss entlang, meist relativ eben, gut ausgebaut und beschildert. Es ist eine wahre Freude, mit der Fulda gleichsam gen Norden zu fließen. Wer nur fest genug in die Pedale tritt erreicht irgendwann die Dreiflüssestadt Hann. Münden.

Hier vereint sich die Fulda mit der Werra, was mit einem Gedenkstein aus dem Jahr 1899 gewürdigt wird auf dem steht:

„Wo Werra sich und Fulda küssen, Sie ihre Namen büßen müssen, Und hier entsteht durch diesen Kuss, Deutsch bis zum Meer der Weser Fluss.“

Doch was kann es schöneres geben, als in einem Kuss zu enden?

Von Kai A. Struthoff

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