Das Palliativ-Team Waldhessen kümmert sich um todkranke Menschen

Was am Ende wichtig ist

Auf der Dachterrasse: (von links) Elke Henning, Birgit Berger, Dr. Ulrike Mäthrich, Irmgard Schreiter, Daniela Stiebing und Margarete Temme. Der Strandkorb mit Blick über Bad Hersfeld dient den schwerstkranken Patienten und dem Palliativ-Team gleichermaßen als Wohlfühl-Insel. Hier kann man sich – trotz der ständigen Nähe zur Endlichkeit des Lebens – eine Stunde wie im Urlaub fühlen. Foto:  Schankweiler-Ziermann

Hersfeld-Rotenburg. 80 Prozent der Menschen äußern den Wunsch, wenn es einmal soweit ist, zu Hause sterben zu wollen. Dass das möglich ist, dafür gibt es seit fünf Jahren das Palliativ-Team Waldhessen. Ziel ist es, todkranken Menschen bis zuletzt ein würdevolles Leben in der häuslichen Umgebung zu ermöglichen.

Ein ambulantes Team kümmert sich um die Patienten und ergänzt damit den Hausarzt und die Pflegedienste. Das Team steht rund um die Uhr zur Verfügung, auch nachts. „Wir merken schnell, wo es kocht und wo gleich eine von uns hinfahren muss“, sagt beispielsweise Birgit Berger, die ebenso wie Katrin Wagner Krankenschwester mit Palliativ-Zusatzausbildung ist.

Die hohe Bereitschaft Angehöriger, sich mit dem Palliativ-Team im Hintergrund um ihre schwerstkranken Familienmitglieder zu kümmern, sei beeindruckend, sagt Katrin Wagner. „Wir können Patienten und Angehörigen Sicherheit geben“, ergänzt Dr. Ulrike Mäthrich, die Leiterin des Palliativ-Teams Waldhessen und der Palliativ-Station am Klinikum Bad Hersfeld. Das ermögliche ganz viel zu Hause.

Häufige Probleme sind Schmerzen, Atemnot, Übelkeit, aber auch Wunden oder Unruhe. Auch die Seele der Patienten und Angehörigen leidet. Deshalb gehören zum Team Pfarrerin Elke Henning und Psycho-Onkologin Magarete Temme fest dazu, was keine Selbstverständlichkeit ist. „Wir lassen uns auf die Menschen in dieser Extremsituation ein“, sagt Margarete Temme. Die Patienten seien oft für andere „nicht nachvollziehbar schwierig“.

Ärzte wüssten in der Regel, was ein Patient brauche. „Aber ich weiß nicht, wie das Sterben geht“, erklärt auch Dr. Mäthrich und spricht von „großen Toleranzübungen“. Da stirbt ein Mensch auf dem Sofa in der Küche mit der Katze auf dem Bauch. „Das geht doch gar nicht, denkt man, aber für ihn war es richtig.“ Man versuche herauszufinden, was noch wichtig sei für den Menschen am Ende seines Lebens, heißt es aus der keineswegs traurigen Runde des Teams.

„Wir können das Ziel des Weges, das Ende, nicht ändern, aber die Bedingungen gestalten, unter denen jemand reist.“

Irmgard Schreiter

Da braucht der eine den Beistand von Pfarrerin Henning, eine andere ist so stabil, dass sie keine weitere Betreuung mehr benötigt. Beim Nächsten ruft mehrmals täglich eine vom Team an. Für den vierten ist die „Palli-Station“ der bessere Ort zum Sterben – aber deshalb nicht automatisch Endstation für alle.

Neben der engen Zusammenarbeit zwischen dem ambulanten Team und der Palliativ-Station – in beide Richtungen – pflegt das Team auch engen Kontakt mit den Hospizvereinen in der Kreisstadt und in Rotenburg.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

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