Interview mit der SPD-Kandidatin Elke Künholz

„Ein Landrat kann schon was verändern“

Sie will Landrätin werden: Elke Künholz (SPD).

Elke Künholz (SPD) oder Michael Koch (CDU): Wer wird Landrat in Hersfeld-Rotenburg? - Interview mit der SPD-Kandidatin Elke Künholz

Frau Künholz, drei Monate Wahlkampf liegen hinter Ihnen, wie fühlen Sie sich kurz vor der Stichwahl? 

ELKE KÜNHOLZ: Die Termindichte ist groß, ich bin erkältet, die Abwehrkräfte lassen nach, und bis zur Wahl ist der Kalender noch voll. Aber Sonntag fällt ja die Wahlentscheidung!

Die CDU hat Sie im Wahlkampf hart attackiert. Stichwort Bio-Tonne, Klinik-Schule, Schulentwicklung, Personalpolitik. Haben Sie Ihr Amt nicht im Griff?

KÜNHOLZ: Fangen wir mit der Klinik-Schule an: Das Schuldezernat, mein Fachbereich, ist nur für die inhaltliche Abstimmung zuständig. Für alles Weitere – Mietvertrag, Reinigung, Ausstattung – sind nicht wir, sondern das Immobilienmanagement und damit Landrat Schmidt verantwortlich. Hier findet jetzt leider ein Ping-Pong- Spiel auf dem Rücken kranker Kinder statt – das ist unsäglich!

Und die Bio-Tonne?

KÜNHOLZ: Wir hatten bislang ein sehr gutes Mülltrennungs- System, aber wir wurden aus Wiesbaden gezwungen, die Bio- Tonne einzuführen. Die Bio- Tonne hat überall für Aufregung gesorgt, denn sie bringt Nachteile mit sich. Aber wir mussten Vorgaben des Bundesgesetzgebers umsetzen, die ich selbst nicht für sinnvoll halte. Als Vorstandsvorsitzende muss ich aber diese Beschlüsse der Gremien umsetzen und auch dafür geradestehen.

Sie haben aber auch selbst ordentlich ausgeteilt, vor allem in Richtung Landrat Schmidt. Hätten Sie nicht schon viel früher als erst im Wahlkampf auf etwaige Missstände aufmerksam machen müssen?

KÜNHOLZ: Berechtigte Frage: Aber ich habe immer den Finger in die Wunde gelegt – denken Sie nur an den Streit um die unrechtmäßige Videoüberwachung an den Schulen. Auch zu meiner Kritik an der Ausstattung der Leitstelle stehe ich weiter. Aber manches habe ich leider auch erst während des Wahlkampfes erfahren.

Sie haben sich also nichts vorzuwerfen?

KÜNHOLZ: Nein. Ich kann morgens in den Spiegel gucken.

Trotzdem ist auch das Landratsamt tief gespalten. Wie wollen Sie das wieder kitten?

KÜNHOLZ: Es stimmt, Stimmung und Motivation im Landratsamt sind nicht die besten. Aber ich bin es nicht, die mein Dezernat gegen andere abschottet. Im Gegenteil: Ich sehe sogar die Notwendigkeit, noch viel enger und vernetzter zusammenzuarbeiten. 

Falls Herr Dr. Koch Landrat werden sollte, müssten Sie auch mit ihm zusammenarbeiten. Geht das überhaupt noch? 

KÜNHOLZ: Ich habe einen Wahlkampf für mich und nicht gegen Herrn Dr. Koch geführt. Natürlich stehen hinter uns Parteien, aber wir haben beide keinen Einfluss darauf, wer in diesen Parteien mal wieder etwas in die Welt hinausposaunt. Ich stehe seit jeher für eine parteiunabhängige, neutrale Führung des Landkreises – darauf würde ich mich auch mit Dr. Koch verständigen, und das ist auch hinzubekommen.

Trotzdem möchten Sie selbst Landrätin werden. Warum wären Sie für dieses Amt besser geeignet als ihr Kontrahent?

KÜNHOLZ: Wir sind sicher beide gut geeignet für dieses Amt. Was Herrn Koch fehlt, ist meine langjährige kommunalpolitische Erfahrung. Ich kenne vor allem die großen Unterschiede zwischen Landes- und Kommunalpolitik. Herr Koch hat Projekt-, Presse- und Stabsstellenarbeit gemacht, das ist ein deutlicher Unterschied zu der täglichen kommunalen Verwaltungsarbeit und der unmittelbaren Verantwortung, worin ich erfahren bin.

Es heißt, Sie haben den Grünen den Posten des Ersten Kreisbeigeordneten angeboten?

KÜNHOLZ: Definitiv nicht.

Trotzdem empfehlen die Grünen Ihre Wahl, weil Sie angeblich die Windkraft favorisieren. Stimmt denn das?

KÜNHOLZ: Ich bin für die Windkraft unter sozialverträglichen Gesichtspunkten. Ich favorisiere kleine, dezentrale Einheiten und bin gegen große, unübersichtliche Windparks. Es geht darum, die regionale Versorgung mit Windenergie zu unterstützen. Aber ich bin auch ganz klar gegen die Suedlink- Trasse.

Zur Person
ELKE KÜNHOLZ (55) stammt aus Aßlar bei Wetzlar. Sie ist gelernte Zahnarzthelferin und studierte später an der Verwaltungsfachhochschule Hessen. Sie war lange bei der Kommunalaufsicht im Main-Taunus Kreis beschäftigt. Seit 2009 ist sie Erste Kreisbeigeordnete in Hersfeld Rotenburg. Künholz hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Lebensgefährten in Wehrda.

Welche spürbaren Veränderungen würden Sie als Landrätin einführen?

KÜNHOLZ: Ich möchte einen touristischen Dachverband installieren. Das ist wichtig. Ich würde gemeinsam mit den Mitarbeitern die Aufgabenverteilung im Landratsamt verändern, um Synergien besser zu nutzen. Außerdem möchte ich, dass der Verkaufserlös von etwa 2,5 Millionen Euro der Ferienstätte in Schwaltenweiher per Kreistagsbeschluss für die Verbesserung der Kreisstraßen eingesetzt werden soll. Das sollten alle Parteien mittragen können. Außerdem muss die Nachmittagsbetreuung an den Schulen vor allem im ländlichen Raum neu konzipiert werden.

Warum ist es wichtig, einen Landrat direkt zu wählen, wenn er rein rechtlich für vieles gar nicht zuständig ist?

KÜNHOLZ: Auch wenn der Landrat juristisch für viele Fragen tatsächlich nicht zuständig ist, hat seine Position durchaus Gewicht. Ich habe zum Beispiel bewiesen, dass diverse Ausbildungsgänge – die Erzieherinnen, die Anlagenmechaniker, die Baugeräteführer – die aus dem Kreis verlegt werden sollten, hierbleiben, wenn man sich richtig dafür einsetzt. Man kann sich für die Region engagieren und die Kräfte bündeln, damit alle mitziehen. Man kann als Landrat also schon etwas verändern. Deshalb hoffe ich auf eine bessere Wahlbeteiligung als vor zwei Wochen.  (kai)

 

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