Interview mit dem CDU-Kandidaten Dr. Michael Koch

„Ein Landrat sollte sich nicht überschätzen“

Er will Landrat werden: Dr. Michael Koch (CDU).

Elke Künholz (SPD) oder Michael Koch (CDU): Wer wird Landrat in Hersfeld-Rotenburg? - Interview mit dem CDU-Kandidaten Dr. Michael Koch

Herr Dr. Koch, drei Monate Wahlkampf liegen hinter Ihnen, wie fühlen Sie sich kurz vor der Stichwahl? 

DR. MICHAEL KOCH: Es war eine spannende Zeit, in der ich viele Erfahrungen gesammelt habe. Ich bin jetzt aber auch froh, wenn eine Wahlentscheidung fällt.

Ihre Partei hat Elke Künholz im Wahlkampf hart attackiert. Sie sei nicht einmal in der Lage, eine Mülltonne einzuführen, hieß es zum Beispiel. Ist die Erste Kreisbeigeordnete tatsächlich so unfähig, wie unterstellt?

KOCH: Unsere Vorwürfe sind berechtigt. Die Einführung der Bio-Tonne ist nur ein Beispiel. Augenblicklich herrscht hier ein völliges Informations-Chaos, bei dem Frau Künholz Entscheidungen verkündet hat, ohne die zuständigen Gremien einzubeziehen. Außerdem hat sie die Schulentwicklungsplanung in ihrer gesamten Amtszeit vernachlässigt, obwohl die Moro-Studie hier dringenden Handlungsbedarf attestiert hat. Im Bereich der Jugendpflege wurden die Verträge mit den freien Trägern vor Jahren gekündigt, und es gibt noch immer keine vernünftigen Anschlussvereinbarungen. Zudem hat Frau Künholz den früheren Jugendamtsleiter ohne Beweise für ein Fehlverhalten aus dem Amt gejagt. Sollte ich Landrat werden, würde ich diese Personalie gründlich prüfen, und ich behalte mir ausdrücklich vor, diesen Mann voll zu rehabilitieren.

Im Falle Ihres Wahlsieges müssten Sie mit Frau Künholz als Erster Kreisbeigeordneter zusammenarbeiten. Geht das überhaupt bei all dieser Kritik? 

KOCH: Das muss gehen! Man muss die Sachebene und die persönliche Ebene trennen. Ich werde allen die Hand reichen, aber mir auch nicht in diese Hand beißen lassen. Das gilt dann wohl für das ganze Landratsamt, das derzeit tief gespalten ist.

Was würden Sie dort verändern? 

KOCH: Ich habe seit fünfzehn Jahren Erfahrung in öffentlichen Verwaltungen. Ich will versuchen, mit allen, unabhängig von Parteizugehörigkeit, an einer Verbesserung der Arbeitsabläufe und der Zuständigkeiten zu arbeiten. Ich erwarte allerdings auch von der Ersten Kreisbeigeordneten, dabei geschlossen mit mir aufzutreten.

Würden die Zuständigkeitsbereiche bleiben, wie sie sind?

KOCH: Es wird Veränderungen geben, aber ich werde diese zunächst ausführlich mit allen Beteiligten erörtern.

In welchen wesentlichen Punkten unterscheiden Sie sich programmatisch und menschlich von Frau Künholz?

KOCH: Den Menschen Elke Künholz kenne ich noch nicht so gut. Aber politisch haben wir unterschiedliche Schwerpunkte. Ich finde beispielsweise eine Unterstützung des Projekts Lullussportpark in Bad Hersfeld sehr sinnvoll – auch angesichts der großzügigen Landesförderung, die Ende des Jahres verfallen wird. Mir geht es nicht um parteipolitische Programme, sondern um Inhalte. Deshalb ist mir beispielsweise schnelles Internet wichtig. Mir ist auch eine bessere Nachmittagsbetreuung von Kindern wichtig. Und ich bin auch für bessere Kreisstraßen, aber im Gegensatz zu Frau Künholz verspreche ich nichts, was ich nicht halten kann. Ich will dies belegen: Die 2,5 Millionen Euro, die Frau Künholz aus dem Verkauf von Schwaltenweiher verspricht, sind in dieser Höhe nicht realisierbar, da ein etwaiger Verkauf noch versteuert werden müsste. Zudem darf sie über die Verwendung des Kaufpreises nicht entscheiden, sondern der Kreistag. Die Versprechen von Frau Künholz sind daher unredlich. 

Sie haben stets die Amtsführung von Landrat Dr. Schmidt gelobt. Gibt es auch Dinge, die Sie bei ihm kritisieren?

KOCH: Dem Kreis Hersfeld-Rotenburg geht es gut, und die Kreisverwaltung leistet gute Arbeit. Das ist auch sein Verdienst. Trotzdem kann man bestimmte Bereiche verbessern. Das gilt für den Verantwortungsbereich von Frau Künholz wie auch von Dr. Schmidt.

Zur Person
DR. MICHAEL KOCH wurde 1973 geboren und ist in Bad Hersfeld aufgewachsen. Nach Jura-Studium und Promotion arbeitete er in Wiesbaden und Erfurt. Er war Pressesprecher im Thüringer Innenministerium, Fraktionsgeschäftsführer der CDU im Landtag, Leiter einer Projektgruppe zur Behördenreform und ist seit dem Regierungswechsel in Thüringen in der Kommunalabteilung des Innenministeriums tätig. Er ist mit einer Juristin verheiratet und hat mir ihr eine Tochter (9) und einen Sohn (7).

Bei einigen der Punkte, die die CDU jetzt kritisiert, hätte doch aber Landrat Schmidt als oberster Dienstherr reagieren und eingreifen müssen? 

KOCH: Wäre ich Landrat gewesen, hätte ich bei ihren Personalentscheidungen, aber auch bei der Öffentlichkeitsarbeit eingegriffen. 

Welche spürbaren Veränderungen würden Sie als Landrat einführen? 

KOCH: Ich möchte bei allen Entscheidungen die Mitarbeiter einbinden sowie mit dem Kreisausschuss und dem Kreistag gut und eng zusammenarbeiten, denn der hat ohnehin das letzte Wort. Ich behaupte daher auch nicht, dass ich allein die Welt in wenigen Tagen ändern werde.

Ein Landrat sollte sich nicht überschätzen. Sie betonen oft, dass der Landrat rechtlich für viele Themen, die die Menschen hier umtreiben – Trassen, Kaserne, Windräder – nicht zuständig ist und ohnehin der Kreistag entscheidet. Wofür brauchen wir dann einen direkt gewählten Landrat?

KOCH: Der Landrat hat einen großen Verwaltungsbereich. Genau das reizt mich an dem Amt. Es gilt, gute Entscheidungen vorzubereiten. Immerhin sitzen im Kreistag Ehrenamtliche, die professionelle Entscheidungsvorlagen brauchen. Das ist eine wesentliche Aufgabe des Landrats und seines Amtes – und das muss man den Bürgern redlicherweise auch so sagen. Als politischer Landrat werde ich aber auch meine guten Kontakte nach Wiesbaden und Berlin nutzen, um unseren Kreis weiter voranzubringen.  (kai)

 

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