Volker Lechtenbrink war mit Komödie am Kurfürstendamm als „Mentor“ in Bad Hersfeld

Die Eitelkeit der Künstler

Verletzte Eitelkeiten: Erwin Wangenroth (Oliver Dupont, rechts) von der Kulturstiftung und Gina Wegner (Anja Boche) gelingt es nicht, die beiden Dramatiker Martin Wegner (zweiter von links) und Benjamin Rubin (Volker Lechtenbrink) zu einer Fortsetzung ihres Gesprächs zu motivieren. Foto: Zacharias

Bad Hersfeld. Der junge Dramatiker Martin Wegner (Andreas Christ) träumt noch vom großen Ruhm, von einem Stück, über das gesprochen, das auf den großen Bühnen gespielt wird. Benjamin Rubin (Volker Lechtenbrink) hat das schon hinter sich – doch liegt sein Erfolg 40 Jahre zurück und seither ist ihm kein großer Wurf mehr gelungen.

Nun sitzen die beiden in einer etwas heruntergekommenen Villa auf dem Land. Eingeladen von einer Kulturstiftung, damit der erfahrene Autor dem jungen auf die Sprünge hilft. Doch dazu haben beide wenig Lust. Gelockt hat sie nur das Geld. Betreut werden sie von Erwin Wangenroth (Oliver Dupont), einem Mitarbeiter der Stiftung, der eigentlich lieber Maler wäre.

Die Komödie am Kurfürstendamm aus Berlin war am Samstagabend mit dem Stück des Erfolgsautors Daniel Kehlmann in der Regie von Folke Brabant zu Gast in Bad Hersfeld und unterhielt das geneigte Publikum bestens mit den Eitelkeiten der drei erfolglosen Künstler, denen als Kontrapunkt Gina, die junge, hübsche, bodenständige und pragmatische Frau von Martin Wegner (Anja Boche) gegenübergestellt ist.

Für Volker Lechtenbrink sind Auftritte in Bad Hersfeld immer ein Heimspiel und viele Fans im Publikum sind extra seinetwegen gekommen. Sie wurden nicht enttäuscht. Lechtenbrink spielt den alternden Schriftsteller mal brummig schlechtgelaunt, mal charmant plaudernd, mal gnadenlos ehrlich und dann wieder voll eitler Selbstüberschätzung.

Letzteres ist auch das Problem von Martin Wegner, der von dem ebenfalls festspielerfahrenen Andreas Christ (er war in Show Boat und den Musketieren zu sehen) als arrogant, egozentrisch und unbeherrscht, doch gleichzeitig auch verletzlich und unsicher dargestellt wird.

Poetisches Geschwurbel

Und so dauert es nicht lang, bis die beiden Dramatiker aneinandergeraten. Als „poetisches Geschwurbel“ bezeichnet der Ältere das neueste Stück des Jungschriftstellers, das den bezeichnenden Titel „Namenlos“ trägt, und fragt ihn, ob er denn unbedingt schreiben müsse. „Es kann sein, dass Sie begabt sind, nur merkt man es nicht“, versetzt er ihm einen weiteren Schlag. Dass auch Gina von seinen Stücken nicht wirklich begeistert ist, bringt Martin Wegner so in Rage, dass er Manuskript und Laptop in den Teich wirft und auf der Stelle abreisen will. Dabei entgeht ihm völlig, dass seine Frau ihn als Mensch und nicht als Schriftsteller liebt und so verspielt er die Chance auf persönliches Glück trotz beruflicher Erfolglosigkeit. „Wir Schriftsteller drehen uns nur um uns selbst“, weiß der erfahrende Benjamin Rubin um die Probleme eines Berufsstandes, der sich nie der Qualität des eigenen Produktes wirklich sicher sein kann, der ständig mit der Be- und Verurteilung durch andere leben muss und es doch gleichzeitig in der Hand hat, Realitäten neu zu schaffen oder in Frage zu stellen.

Und so ist „Der Mentor“ nicht nur eine vergnügliche, pointenreiche Komödie, sondern zugleich ein bissiger Blick auf die Literatur- und Kunstszene. Lebhafter Beifall aus den vollbesetzten Zuschauerreihen für einen vielschichtigen und unterhaltsamen Abend.

Von Christine Zacharias

Kommentare