Eisdielen-Boom, Höhlen-Dekor und Bettelei

Symbolbild

Während die Politik in Bad Hersfeld nach dem mehrmonatigen Ringen um den Haushalt 2014 eine Verschnaufpause einlegt, ist die die heimische Wirtschaft offenbar permanent in Bewegung: Den kühnen Plänen für die Umgestaltung des Rechberggeländes samt neuem Einkaufszentrum folgte die Baugenehmigung für die Sanierung des Parkhauses am Neumarkt, in dem künftig auch ein Hotel und das Buchcafé Platz finden sollen.

Das, was sich ganz in der Nähe auf dem Linggplatz tut, hat zwar nicht ganz diesen Stellenwert, ist aber für Flaneure in der Fußgängerzone durchaus von Interesse: Nachdem sich hier jüngst die Filiale einer Eisdiele aus der Klausstraße etabliert hat – und damit dem Café gegenüber Konkurrenz macht, steht nun offenbar ein dritter Anbieter der erfrischenden Schleckerei in den Startlöchern. Wie man hört, soll es bald auch neben dem vietnamesischen Imbiss eine weitere Eisdiele geben. Nicht zuletzt wäre damit auch ein weiterer Leerstand von Ladenflächen beseitigt.

Noch einmal zurück zum Parkhaus am Neumarkt: In den Katakomben des Beton-Monsters befindet sich nach wie vor die ehemalige Kult-Gaststätte „Grotte“. Die ist zwar schon seit Jahren geschlossen, doch das Höhlen-Dekor der Einrichtung ist unberührt, auf den Tresen stehen noch ein paar Gläser und Flaschen, auch die Barhocker sind noch vorhanden. Man hat den Eindruck, dass man nur etwas Staub wischen und den Kühlschrank auffüllen müsste, um den Laden wieder öffnen zu können. Bürgermeister Thomas Fehling schlich bei der Baustellenbesichtigung jedenfalls ganz wehmütig durch die „Grotte“, mit der ihn wohl manche Erinnerung an unbeschwerte Jugendtage verbindet.

Auch Investor Heiner Bohn mag das Interieur nicht entsorgen. Und wenn ein interessierter Wirt bei ihm anklopfen sollte, wäre er bestimmt gesprächsbereit...

Mit der Bitte, ein Bettelverbot für die Bad Hersfelder Fußgängerzone zu erlassen, hat sich jetzt ein Einwohner der Stadt an Bürgermeister Fehling gewandt. Anlass war die Beobachtung, dass morgens um neun Uhr zehn Personen aus einem Kleinlaster stiegen, die sich dann ihren Platz in der Fußgängerzone suchten und bettelten. „Das ist gewerbsmäßiges Betteln“, empörte sich der Hersfelder und wollte am liebsten auch die Steuerfahndung eingeschaltet wissen. Wie dem auch sei: Schön ist das sicher nicht, aber es muss auch jeder selber wissen, wem er wofür ein paar Cent oder einen Euro spendiert.

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