Kabarett Hickhack zeigt, was Frauen und Männer bewegt

Eisbein mit Sauerkraut statt zügellosem Sex

Ein wenig Mitgefühl: Die Kabarettistinnen von Hickhack (von links: Johanna Voss, Birgit Winterling, Helga Schenk und Ingrid Haertel) versuchen sich auch in die Situation der Männer zu versetzen, die Angst um ihre Jobs haben und sich von den Frauen um ihre Kinder und ihr Geld gebracht fühlen. Foto: Zacharias

Weiterode. Geistreich, frech, scharfzüngig, politisch nur manchmal korrekt, immer am Puls des Zeitgeistes und auf jeden Fall höchst unterhaltsam präsentierte sich das Frauenkabarett Hickhack mit seiner Show „Und ewig bockt das Weib“ am Sonntagabend in Ellis Saal in Weiterode. Eingeladen zu dieser ersten Kooperationsveranstaltung hatten das Frauenbüro und das Frauennetzwerk im Kreis Hersfeld-Rotenburg sowie der Kulturverein Ellis Saal.

Reiki, Sushi und Raki

Offene Beziehungen, selbstbestimmte Mutterschaft, Mutterwahn, Selbstfindung und die ein oder andere Trennung, Reiki, Sushi und Raki, ärztliche Angriffe auf die Körperliche Unversehrtheit und verschiedene Therapien – Johanna Voss, Birgit Winterling, Helga Schenk und Ingrid Haertel haben, wie viele der Frauen im ausverkauften Saal, schon einiges er- und überlebt.

Munter erzählen sie von der Abrechnung mit der Neuen des gerade geschiedenen Ex-Mannes, von der man sich mühsam antrainierte Fertigkeiten wie die Grundausbildung im Haushalt, in Sachen Körperpflege und natürlich im Bett teuer bezahlen lässt oder von den gezielten Anrufen, mit denen die Schwiegertochter auf die Palme gebracht werden soll („Was taust Du denn heute Abend auf?).

Bauchspeck macht glücklich

Die Kabarettistinnen wissen, dass Bauchspeck nicht nur glücklich macht (er kompensiert den Östrogenmangel nach der Menopause und sondert Glückshormone ab), sondern auch wichtige praktische Funktionen hat (Wie tief kann ein Busen sinken, wenn er nicht aufgehalten wird?). Sie haben die Lösung für den demografischen Wandel gefunden – das Kinderkriegen übernehmen die Rentnerinnen, die sich dann statt am Rollator am Kinderwagen festhalten können und versuchen sich immer wieder auch als Männerversteherinnen.

Denn der völlig verunsicherte Mann von heute wünscht sich von den Liebesdienerinnen nicht etwa wilden, zügellosen Sex, sondern Eisbein mit Sauerkraut und selbstgestampften Kartoffelbrei. Mit Hilfe der Domina-App könne zudem die Sache der Frauen auch aus der Ferne unterstützt werden, indem der Freier zum Beispiel auf allen Vieren durch die Wohnung geschickt wird, um seine dreckigen Socken einzusammeln.

Ausführlich wird erklärt, warum Frauenhirne anders funktionieren als die von Männern oder was von Schönheitsoperationen zu halten ist. Nicht zuletzt erfährt das begeisternd juchzende Publikum, dass Frauen es satt haben, ihren Putztrieb zu unterdrücken und wird Zeuge einer wahren Putzorgie.

All das wird mit immer neuen, originellen Kostümen und mit witzigen und schwungvollen Liedern präsentiert. Und weil der Applaus gar kein Ende nehmen will, gibt’s auch noch zwei Zugaben obendrauf.

Von Christine Zacharias

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