Manfred Freitag schnitzt Figuren aus Holz

Der Einzige seiner Art

Hildegard und Manfred Freitag mit einer großen Krippe, die einem Rhöner Hof nachempfunden ist. Fotos: Simone Axt

Bad Hersfeld. Leise, um einen kulturgeschichtlichen Vortrag über die Entstehung von Weihnachtskrippen nicht zu stören, hantiert Manfred Freitag mit einem scharfen Werkzeug an einem Holzklotz, der vor ihm auf einem alten Nähmaschinentischchen liegt.

Der 74-jährige, der in Gethsemane aufwuchs, kam auf Einladung des Förderkreises zu einem Aktionstag ins Bad Hersfelder Museum, um vorzuführen wie Kleinfiguren geschnitzt werden. Denn im Museum an der Stiftsruine findet eine Ausstellung über Weihnachtskrippen aus aller Welt statt. Auch Manfred Freitag hat zwei seiner Krippen mitgebracht.

„Es soll ja auch wirken!“

Schon während des Vortrags sprechen ihn Besucher, die seinetwegen gekommen sind, flüsternd an und schildern ihm ihre Anliegen. So hat ein älteres Ehepaar einen Korb mit vielen über fünfzig Jahre alten holzgeschnitzten Krippenfiguren mitgebracht, für die er eine Krippe bauen soll. Die größte Figur, nach der sich Manfred Freitag richten muss – „es soll ja auch wirken, wissen Sie“ – ist 13,5 cm lang. Nach der Anzahl der Figuren zu urteilen, wird es wohl eine große Krippe werden.

„Dies hier“ – er deutet auf den Holzklotz auf dem Tischchen – „wird eine Heilige Barbara für ein Jubiläum bei K+S in Hattorf. Wenn ich dran bleiben könnte, wäre sie in zwei Wochen fertig, aber ich bin Rentner, habe also auch noch andere Hobbys“ meint er augenzwinkernd. „So werde ich einen Monat daran zu tun haben“. Das Stück Holz ist ungefähr 50 Zentimeter lang, 25 Zentimeter breit und 15 Zentimeter tief. Die Umrisse der Figur hat Manfred Freitag bereits aufgezeichnet; mehr braucht er nicht, um dem unförmigen Holzstück zu einem anderen Schicksal als dem Ofen zu verhelfen.

Manfred Freitag, sonst eher ein wortkarger Mann, wird plötzlich lebhaft: „Was glauben Sie denn, was die Leute alles verbrennen wollen. Ich arbeite mit verschiedenen Holzsorten, darunter auch uralter Eiche, also wirklich uralter Eiche. Zum Beispiel aus dem Friedewalder Schloss. Die wollten das wegwerfen.“ Auch aus anderen Hölzern wie Ahorn, Kastanie, Kiefer und Olivenholz arbeitet er Figuren heraus. Von Olivenholz rät er Anfängern allerdings ab. „Das Holz ist viel zu hart, obwohl das Ergebnis wunderschön wird.“ Er zeigt auf eine Vitrine eines anderen Künstlers in der Ausstellung.

Wie der gelernte Bergmann zum Schnitzen gekommen ist? „1969 war ich mit der Firma Hoechst einige Male in Asien, um Werke anzufahren und Mitarbeiter anzulernen.“ In Thailand und Japan sieht er, wie Kinder nachts Masken schnitzten. „Sie klemmen sich ein Stück Holz zwischen ihre Füße und bearbeiteten es mit einer Art kleiner Hacke, das müssen Sie sich mal vorstellen.“ Seither ließ ihn die Faszination Holz nicht mehr los.

Ein Werkzeug kostet 30 Euro

Aus seiner Tasche zieht er ein Werkzeug heraus. „Damals, als ich mit dem Schnitzen anfing, habe ich für einen ganzen Satz Schnitzmesser dreißig Mark bezahlt. Heute kostet mich ein einziges Teil dreißig Euro, aber die sind natürlich nicht mit der Qualität von damals zu vergleichen“. Für seine Arbeit benutzt er hin und wieder aber auch Maschinen. „Bei den meisten Sachen schneide ich die Umrisse mit einer Bandsäge aus. Dann dauert es etwa zwei Stunden, bis ich ein liegendes Schäfchen fertig habe“, erklärt Freitag anhand von Rohlingen.

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Von Gudrun Neldner

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