Bedrohung durch Online-Versand und Bevölkerungsschwund

Einzelhandel in der Region unter Druck

Martin Knauff

Bad Hersfeld. Der klassische Einzelhandel in der Region steht unter immer stärkerem Druck. Zum einen habe sich der stetig wachsende Versandhandel über das Internet längst zum „ernstzunehmenden Wettbewerb“ entwickelt, erklärte Martin Knauff, stellvertretender Vorsitzender des Einzelhandelsverbands Hessen Nord, im Gespräch mit unserer Zeitung. Und zum anderen sieht Knauff, der unter anderem in Bad Hersfeld das Modencentrum Sauer betreibt, erste Anzeichen für negative Auswirkungen des demografischen Wandels.

Während Knauff die Stadt Bad Hersfeld dank florierender Wirtschaftsbetriebe im unmittelbaren Umfeld noch weitgehend außen vor sieht, rechnet er Rotenburg und Bebra dem von der Problematik bereits betroffenen ländlichen Raum zu.

Früher habe der Versandhandel per Katalog abseits der großen Städte etwa ein Drittel des Umsatzes abgeschöpft. Heute, so Knauff, liege der Anteil der Online-Händler und den wenigen verbliebenen Katalog-Anbietern schon bei etwa 40 Prozent.

Dieser Entwicklung könne der Einzelhandel vor Ort nur durch ein noch attraktiveres Einkaufserlebnis auf möglichst kurzen Wegen begegnen, erklärte Knauff.

Beim schleichenden Bevölkerungsrückgang sieht der Verbandsvertreter einen doppelten Aderlass. „Die Region verliert nicht nur quantitativ Menschen, sondern auch qualitativ, weil vor allem die mit Köpfchen ihr Glück anderswo suchen“, sagte Knauff. Von der Politik erhofft er sich deshalb unorthodoxe Konzepte und fragt: „Warum soll eine Hartz IV-Empfängerin mit Kind in Frankfurt ohne Aussicht auf Arbeit in unsicherer Gegend teuer leben müssen, wenn sie hier fürs halbe Geld besser und behüteter zuhause sein kann?“

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Von Karl Schönholtz

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