Wochenendporträt: Der Hersfelder Leo B. war zweimal als ISAF-Soldat in Afghanistan

Im Einsatz für den Frieden

Leo B.* kann sich noch gut an den Moment erinnern, als er das erste Mal seinen Fuß auf afghanischen Boden setzte. Einige seiner Kameraden aus dem Infanterieregiment in Schwarzenborn, zu dem auch er gehört, hätten den Fotoapparat aus der Tasche gezogen und geknipst. Hunderte von Bildern hat auch er von seinen beiden Afghanistan-Einsätzen mitgebracht. Und zu jedem kann er eine kleine Geschichte erzählen. Zum Termin mit unserer Zeitung hat er eine kleine Auswahl mitgebracht.

Eines der Bilder zeigt, wie Bundeswehrfahrzeuge an einem mit Schlamm bedeckten Parkplatz vorbeiziehen. „Hier das zum Beispiel – hier waren wir auf einer Patrouille mitten durch einen Vorort von Kunduz.“ Leo zeigt auf ein weiteres, wo er auf einem Berg hinter einer alten Haubitze sitzt: „Oder das hier mit der Kanone. Die stammt noch aus der Zeit, als die Russen Afghanistan besetzt hielten. Es ist erstaunlich: Kriegsschrott aus den Achtziger Jahren findet man immer wieder.“

Schutz bei Hilfslieferungen

Bilder vom Lagerleben wechseln sich ab mit Fotos von Soldaten vor einer unvergleichlichen Landschaft, tollen Aussichten über Flusstäler, Wüsten mit schneebedeckten Bergen des Hindukusch im Hintergrund, tiefer Schnee im Winter und in der Regenzeit blühende Oasen im Sand – Afghanistan wäre eigentlich ein Paradies für Trekking-Touristen. Wenn da nicht die Konflikte mit den aufständischen Taliban wären, die den Wiederaufbau stören. Die Aufgaben von Leos Einheit im Krisengebiet Afghanistan sind welche für den Frieden: Erkunden der Lage bei Patrouillen, das Absichern gegen Angriffe der Aufständischen. „Bei Hilfslieferungen in Dörfer mussten wir zum Beispiel Rundumschutz gewährleisten“, erzählt er. Die Infanterie bildete den äußeren Ring.

Im Gedächtnis geblieben ist ihm auch die Absicherung eines im Schlamm steckengebliebenen Fahrzeugs. Die Bergung dauerte bis tief in die Nacht hinein. Allgegenwärtig war die Gefahr durch Sprengfallen. Er erzählt, dass es ungezählte Arten es dieser selbstgebastelten Minen gibt. Oftmals waren es Tipps aus der Zivilbevölkerung, die zu den Bomben führten, die vom Kampfmittelräumdienst entschärft wurden. Von den Gefühlen, die Soldaten beschleichen, wenn sie Sprengfallen suchen müssen, erzählt er nicht.

Der Kontakt zur Bevölkerung hielt sich in Grenzen. Zur Verständigung half ein kleines Buch mit Figuren, bei Einsätzen gehörten Übersetzer mit zum Trupp. Von den Gefahren einmal abgesehen: Hängengeblieben in Leos Gedächtnis ist aber auch ein extremes Klima mit großen Temperaturschwankungen. In der Wüste wurde in der Mittagszeit schnell die 40-Grad-Marke überschritten. „Da bist du froh, wenn du im Schatten bist,“ berichtet er. Nachts dagegen ist es bitterkalt. Allgegenwärtig in Afghanistan: Sand und Staub. „Der war überall. Die Nase war bei Einsätzen durchgehend dicht“, erzählt er. Dreieckstuch und Schutzbrillen waren ständige Begleiter der Soldaten. Der Staub kroch durch alle Ritzen. Selbst im Lager in Kunduz und in Baghlan ging er nicht weg. Hier waren tagsüber Wasserwagen unterwegs, um die Wege zu befeuchten.

* Name ist der Redaktion bekannt.

Von Hartmut Wenzel

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