250 Dinge, die wir mögen (220): Der Katharinenturm

Einsamer Wächter

Ein wenig einsam steht der Katharinenturm außerhalb der Stiftsruine und hütet sorgsam die älteste Glocke Deutschlands. Foto: Goßmann

BAD HERSFELD. Zugegeben, ein bisschen unscheinbar wirkt er schon, wenn man im Hintergrund die majestätische Stiftsruine sieht. Doch wirft man erst einmal einen Blick auf die kleine Infotafel, die nur wenige Meter entfernt von ihm steht, erfährt man schnell die historische Wichtigkeit des Bad Hersfelder Katharinenturms für ganz Deutschland.

Denn in diesem frei stehenden Glockenturm an der Nordostecke des Klosterfriedhofs hat eine ganz besondere Glocke ihr Zuhause gefunden: die Lullusglocke. Auf ihr befindet sich eine Inschrift, die belegt, dass sie aus dem Jahre 1038, der Amtszeit von Abt Meginhers stammt. Und damit ist sie die älteste, gegossene Glocke Deutschlands, die bisher datiert wurde. Bei einem solch geschichtsträchtigen Schatz ist es kein Wunder, dass ihr Klang nur an hohen Feiertagen und zum Auftakt des Lullusfestes zu hören ist.

Kapelle und Zelle

Entstanden ist der sandsteinerne Turm mit dem markanten Pyramidendach eher aus einer Notlage: Im Jahre 1100 stürzte der Nordturm der Stiftsruine ein und somit musste ein neues Zuhause für seine Glocken gefunden werden. Aus diesem Grund wurde der Turm vermutlich in der Mitte des 12. Jahrhunderts errichtet. Sein Namensgeber war eine kleine Kapelle, die der Heiligen Katharina geweiht wurde. Diese „Capella sancta Catherine“ wurde 1423 zum ersten Mal erwähnt. Heute sind von ihr allerdings nur noch wenige Fundamentreste übrig geblieben.

Weiterhin finden sich im Katharinenturm zwei Arrestzellen. Noch immer sind in ihren Wänden Inschriften zu erkennen, die die Gefangenen hier eingeritzt oder auf den Putz geschrieben haben. Es wird davon ausgegangen, dass jene Zellen nach 1821 eingerichtet wurden, weil zu dieser Zeit das Klausurgebäude als Justizamt genutzt wurde.

Wie auch die Stiftsruine selbst blieb der Katharinenturm nicht völlig vom Unheil verschont. Seine Südwestecke stürzte am 26. März 1895 ein, wurde aber bis 1896 wieder aufgemauert und mit Eisenankern gesichert. Sozusagen mit dem blauen Auge davon kam der Glockenstuhl, denn dieser überstand den Einsturz weitestgehend unbeschadet. Am Sockel der Einsturzstelle ist eine Inschrift zu sehen, die an dieses Ereignis erinnern soll.

Von Torsten Goßmann

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