Anna Graenzer spielt den Puck in den „Sommernachts-Träumereien“

Einmal ein Kobold sein

Schelmischer Blick aus dem Gebüsch: Anna Graenzer spielt den Kobold Puck in den Sommernachts-Träumereien. Foto: Zacharias

Bad Hersfeld. Mit dem Gebüsch an der Ruinenmauer ist Anna Graenzer inzwischen gut vertraut. Sie weiß genau, an welcher Stelle sie problemlos durch die dick belaubten Äste kriechen und wo sie wieder herauskommen kann. Anna Graenzer spielt den Kobold „Puck“ in der Shakespeare-Adaption „Sommernachts-Träumereien“ und sie ist nicht nur begeistert von dieser Rolle, sondern auch verzaubert von dem besonderen Ort.

„Ich mag gerne schalkhafte Rollen“, sagt die 33-jährige Schauspielerin, die normalerweise am Berliner Ensemble engagiert ist. Bisher hatte sie dazu noch nicht so sehr viel Gelegenheit. Die junge Frau mit den ausdrucksvollen dunklen Augen war häufig für die Mädchenrollen besetzt, spielte die Wendy in „Peter Pan“, die Ophelia in „Hamlet“ oder die Julia in „Romeo und Julia“. Jetzt also der Kobold Puck, schräg, eigenwillig und jederzeit zu einem Schabernack aufgelegt. „Eine Traumrolle“, sagt Anna Graenzer.

Komische Gesichter

Wie das so ist mit den Kobolden, wie sie leben und was sie tun, darüber hat Anna Graenzer sich gut informiert, hat Geschichten und Sagen gelesen und alles, was sie über Kobolde gefunden hat. Auch zuhause probiert sie immer mal wieder aus, wie das ist, ein Kobold zu sein. Ihr kleiner, acht Monate alter Sohn findet das aber mitunter gar nicht komisch, wenn die Mama so komische Gesichter macht, erzählt Graenzer.

Sie freut sich aber, dass ihre Sicht des Kobolds sehr ähnlich ist wie die von Regisseur Joern Hinkel. Er war es auch, der sie zu den Bad Hersfelder Festspielen geholt hat. Die beiden kannten sich von den Nibelungen-Spielen in Worms.

Dieses gemeinsam ausprobieren, Ideen entwickeln und weiter bearbeiten, sich Situationen vorzustellen, Quatsch zu machen und tiefe Emotionen auszuloten, einfach zu spielen, das ist es, was Anna Graenzer am Schauspieler-Beruf ganz besonders schätzt.

Wollte Clown werden

Als Kind wollte sie Clown werden, weil mir Pierino vom Zirkus Krone so besonders gut gefiel. Nach ersten Erfahrungen im Schultheater ging sie dann, so erzählt sie, den klassischen Weg, bewarb sich immer wieder an Schauspielschulen, wurde schließlich in Berlin genommen und noch während ihres letzten Studienjahres von Claus Peymann ans Berliner Ensemble engagiert.

Inzwischen hat sie mit vielen der ganz großen Regisseure gearbeitet: Leander Haußmann, Manfred Karge, Mona Kraushar, Peter Stein, Robert Wilson oder Martin Wuttke, um nur einige zu nennen. Wie ist das, wenn man schon so früh in seiner Laufbahn so erfolgreich ist? „Da kann man immer noch neue Ziele finden“, ist Anna Graenzer überzeugt.

Sie ist glücklich darüber, zu einem festen Ensemble zu gehören. Lernen von den erfahrenen Kollegen, deren Rückhalt spüren, die fast familiäre Situation und natürlich auch die finanzielle Sicherheit, das möchte Anna Graenzer im Moment nicht missen. Sie ist aber auch froh, dass sie die Möglichkeit erhält, auch außerhalb zu arbeiten, zum Beispiel bei den Bad Hersfelder Festspielen.

Die Sommernachts-Träumereien, die erstmals im Park neben der Ruine gespielt werden, haben am 12. Juni Premiere.

Von Christine Zacharias

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