Neu gewählte Ortslandwirte tagten in Friedlos – Appell zu politischem Engagement

Einkommen im Sinkflug

Verabschiedet wurden die ehemaligen Ortslandwirte und Mitglieder des Gebietsagrarausschusses von Kreislandwirt Horst Taube (2. v.l.), von der Ersten Kreisbeigeordneten Elke Künholz (5. v.l.) und dem Leiter des Fachdienstes Ländlicher Raum, Werner Scheffer (r.) Foto: Zacharias

Friedlos. „Ist der Januar warm, wird auch der reichste Bauer arm.“ Diesen Spruch aus seinem Bauernkalender zitierte Kreislandwirt Horst Taube bei der ersten Tagung der neu gewählten Ortslandwirte in Friedlos und zeigte sich – beim Blick auf das winterliche Wetter – hoffnungsvoll, dass es ein gutes Jahr werden könnte für die Landwirte.

Einbußen bis 50 Prozent

So richtig groß ist Taubes Optimismus allerdings nicht. Die Gewinne in der Landwirtschaft seien im Sturzflug nach unten, stellte er fest. Bauern hätten Einbußen von 20 bis 50 Prozent zu verkraften. Seit zwölf Jahren, seitdem er Kreislandwirt sei, gehe es eigentlich nicht mehr bergauf, beklagte Taube.

Persönlicher Tiefpunkt war für Taube die Verzweiflungsaktion der Milchbauern, als die ihre Milch mit Güllefässern auf den Felder versprühten. Umso mehr freut es ihn, dass der Bund Deutscher Milchbauern (BDM) ein Ziel erreicht hat und dass nun bei tegut und Rewe faire Milch verkauft wird.

Die Einkommenssituation der Landwirte, die sich immer neue Einnahmequellen suchen müssen, war an diesem Nachmittag immer wieder Thema der Versammlung. So zeigte sich Horst Taube nicht wirklich glücklich darüber, wenn nachwachsende Rohstoffe nicht zur Ernährung, sondern zur Energieproduktion eingesetzt werden. Andererseits: „Jede Biogasanlage, die den Markt entlastet, ist eine gute Anlage“, stellte er fest. Es sei jedoch wichtig, dass die Wertschöpfung bei den Bauern bliebe und dass sie nicht nur als Zulieferer tätig seien.

Mit gewisser Sorge beobachten die Landwirte alle Pläne, die unter der Überschrift „Stärkung des ländlichen Raumes“ laufen. Für sie bedeutet das, dass die Direktzahlungen aus Brüssel reduziert werden zugunsten von Programmen wie der Dorferneuerung, die nur teilweise den Bauern zugute kommen.

Das sieht auch Heinrich Heidel, Vizepräsident des Hessischen Landtags und des Bauernverbandes, so. Auch er forderte, die Direktzahlungen nicht zu reduzieren. Es sei eine Illusion, wenn Bauern glaubten, sich von der allgemeinen Preisentwicklung abkoppeln zu können, machte er deutlich. Die Landwirtschaft übernehme aber auch wichtige Aufgaben für die Allgemeinheit, indem sie zum Beispiel die Kulturlandschaft pflege, Grundwasserschutzgebiete bewirtschafte und Voraussetzungen für den Artenschutz schaffe. „Es muss klar sein, dass eine flächendeckende Landwirtschaft keine Selbstverständlichkeit ist“, sagte Heidel. „Dafür müssen wir von der Gesellschaft etwas verlangen.“

Heidel denkt zum Beispiel an flexible Steuermodelle, bei denen die Einnahmen mehrerer Jahre miteinander verrechnet werden können. Er denkt aber auch an verbindliche Absprachen, damit die Landwirte für ihre Landschaftspflege entlohnt werden.

Sowohl Heinrich Heidel als auch Horst Taube forderten ihre Berufskollegen dazu auf, sich kommunalpolitisch zu engagieren, um die Sache der Landwirtschaft in den Parlamenten zu vertreten.

Abschied und Dank

Von Christine Zacharias

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