Die üblichen Rituale der Bad Hersfelder Stadtverordneten

Einig nach Geplänkel

Bad Hersfeld. Als es um die Qualität des Trinkwassers ging, um eine Bad-Hersfeld-App für Smartphone-Nutzer oder um das Bestreben, die Anwohner in Sorga, Asbach und in der Homberger Straße vom nächtlichen Laster-Lärm zu entlasten, waren sich die Stadtverordneten im Grunde einig. Das galt genauso auch für den Wirtschaftsplan des Kurbetriebs und die Zukunftsplanung für die Feuerwehren der Stadt.

Platzhirsche

Wer deshalb aber meint, die Sitzung im Bürgerhaus Hohe Luft sei ohne größere Debatten über die Bühne gegangen, der kennt seine Parlamentarier schlecht. Das übliche Geplänkel aus Rechthaberei, Stichelei und Vergangenheitsbewältigung wurde zu fast jedem Tagesordnungspunkt ausgetragen, bis sogar aus den Reihen der Stadtverordneten gemurrt wurde. Frank Berg (FDP) mutmaßte, dass die Beiträge der „Platzhirsche“ von den Zuschauern wohl mit Befremden aufgenommen würden.

Amüsanter Schlussakt

Für einen immerhin amüsanten Schlussakt in diesem Theater sorgten dann jedoch die Fraktionsvorsitzenden von Neuer Bürgerliste NBL und SPD/Grüne/FWG. Als Michael Bock in der Diskussion um die von der NBL gewünschte Hersfeld-App noch einen draufsetzen wollte, wurde er von Bernd Wennemuth gewarnt: „Herr Bock, wir wollen doch ohnehin zustimmen, aber wenn Sie jetzt noch weiterreden...“ Bock stutzte, fragte sich laut, ob man sich auf Wennemuths Wort verlassen könne und setzte sich unter allgemeinem Gelächter wieder.

Dass für die Stadt eine „App“ entwickelt werden soll, die per Smartphone direkte Zugriffe auf Stadtplan, Stadtinformation, Termine, Unterkünfte und anderes ermöglichen soll, wurde dann tatsächlich einstimmig beschlossen.

Ähnlich erging es auch einer Resolution von SPD, Grünen und FWG zur von der EU beabsichtigten Liberalisierung der Wasserversorgung. Zwar wollte niemand im Saal das Trinkwasser zum Handelsobjekt degradiert sehen, doch zunächst galt es die Zweckdienlichkeit einer Resolution zu bezweifeln und nach einer Sitzungsunterbrechung einen Kompromiss zu finden: Der bezog dann einen Änderungsantrag der NBL mit ein, der die Hersfelder aufruft, die europäische Bürgerinitiative mit der Webadresse www.right2water zu unterstützen.

Nicht erforderlich

Um die nächtens durch die Stadt brausenden Laster soll sich auf Antrag von SPD, Grünen und FWG der Magistrat kümmern, in dem geblitzt und kontrolliert wird. Weil einige Parlamentarier hier noch manches ungeklärt sahen. hätten sie die Vorlage gerne in den Ausschuss überwiesen. Das hielten die Initiatoren von der Mehrheitsfraktion nicht für erforderlich und beschlossen die Vorlage gemeinsam mit der Fraktionsgemeinschaft.

Von Karl Schönholtz

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