HZ-Interview mit dem Staatsminister über die Kommunalwahl, die AFD, Umzüge und das Reisen

Michael Roth: „Einfache Antworten gibt’s nicht“

Die SPD liest ein Buch: Und zwar „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“. Das Bild zeigt Michael Roth mit Dr. Thomas Handke (links) und Karsten Vollmar bei der Bad Hersfelder Leseaktion.

Hersfeld-Rotenburg. Als Staatsminister für Europa ist Michael Roth viel in der Welt unterwegs. Doch als SPD-Bundestagsabgeordneter behält er auch den Wahlkreis im Blick. Über die Kommunalwahl, AfD und SPD und das Reisen sprach er mit Kai A. Struthoff im zweiten Teil unseres Interviews.

Im nächsten Jahr sind bei uns Kommunalwahlen. Welches sind die drängendsten Probleme vor Ort?

Michael Roth: Wichtig ist, dass sich kommunalpolitisches Engagement wieder lohnt. Die letzten Jahre waren vor allem von Kürzungen geprägt. Es ging um Einsparungen und nicht um politische Gestaltung. Leider steht bei uns ehrenamtliche Arbeit nicht mehr sehr hoch im Kurs. Ich finde es unfair, wie abfällig manche Zeitgenossen über unsere ehrenamtlichen Kommunalpolitiker urteilen. Dabei bräuchten wir viel mehr Menschen, die sich auch nach Feierabend noch für die Zukunft ihrer Kommunen einsetzen.

Im Kommunalwahlkampf wird auch das Abschneiden der AfD eine wichtige Rolle spielen. Wie sollten die anderen Parteien mit dieser neuen politischen Kraft umgehen?

Roth: Es wäre schon viel erreicht, wenn die etablierten Parteien nicht versuchten, die einfachen und populistischen Argumente der AfD zu kopieren, denn am Ende wird immer das Original und nicht die Kopie gewählt. Es gilt jetzt Haltung zu zeigen. Es gibt in einer Demokratie nun mal keine einfachen Antworten, auch wenn die AfD uns das glauben machen will und sich viele danach sehnen.

Die SPD sitzt in der Regierung und hat dort sozialdemokratische Schwerpunkte, wie etwa den Mindestlohn, gesetzt. Dennoch kommt Ihre Partei nicht aus dem Umfragetief heraus. Warum? 

Roth: Im Mittelpunkt der Wahrnehmung steht momentan vor allem die Bundeskanzlerin. Dabei betreibt die Bundesregierung im Großen und Ganzen eine sozialdemokratische Politik. Die SPD hat Wort gehalten und viele Wahlversprechen umgesetzt. Aber allein für solides Arbeiten wird man noch nicht belohnt. Es mangelt uns offenbar an Attraktivität. Das bekümmert mich sehr. Trotzdem muss die SPD bei ihrem Kurs bleiben und jetzt nicht nervös werden.

Sie sind jetzt seit zwei Jahren Staatsminister für Europa. Wie haben Sie sich persönlich in dieser Zeit verändert? 

Roth: (schmunzelt) Meine Haare sind grauer geworden. Aber ich bin sehr dankbar dafür, dass ich die Chance bekommen habe, dieses Amt auszuüben. Trotzdem muss ich mir stets vergegenwärtigen, das man dieses Amt nur auf Zeit hat. Meine wichtigste Aufgabe ist und bleibt aber mein Mandat als Bundestagsabgeordneter dieser Region. Deshalb nehme ich mir auch immer noch viel Zeit für den Wahlkreis. Dieser Kontakt vor Ort und zu den Dingen des Alltags hilft dabei, nicht abzuheben.

Macht Ihnen das viele Reisen in Ihrem Beruf noch Spaß? 

Roth: Das Reisen ist manchmal schon ziemlich anstrengend, denn ich bin ja nicht mit einer Regierungsmaschine unterwegs, sondern ich fliege ganz normal Linie. Das kostet Zeit. Aber das Reisen ist ein großes Privileg. Ich habe so viele über andere Kulturen und Länder gelernt, das prägt auch über die Amtszeit hinaus.

Wissen Sie, in wie vielen Ländern Sie inzwischen waren? 

Roth: Nein, nicht genau. Ich weiß aber, dass ich leider noch nicht in allen Staaten war, die zu Europa gehören, obwohl ich mir das eigentlich vorgenommen hatte. Im Februar reise ich jetzt endlich auch nach Rumänien. Und neben Europa bin ich ja noch für Nordamerika, den Nahen Osten, China, Japan und Korea zuständig. Aber dafür habe ich angesichts der Krisen in Europa leider viel zu wenig Zeit.

Auch in Ihrem Privatleben hat sich in diesem Jahr etwas verändert. Sie wohnen nicht mehr in Heringen, sondern in Bad Hersfeld. Warum eigentlich? 

Roth: Das hat vor allem praktische Gründe. Für mich und für meinen Partner ist von der Kreisstadt aus vieles einfacher zu erledigen. Aber Heimat bleibt Heimat - und das ist Heringen, wo ich ja auch immer noch regelmäßig bin. Zum Beispiel werde ich am 15. Januar gemeinsam mit Außenminister Frank Walter Steinmeier zum Neujahrsempfang nach Heringen kommen.

Was wünscht sich ein Europa-Staatsminister für das neue  Jahr?

Roth: Zunächst mal, dass es den Menschen, die mir wichtig sind, gut geht und sie gesund bleiben. Außerdem wünsche ich mir, dass es uns in Europa endlich gelingt, wieder stärker auf Teamgeist zu setzen.

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