Max Gertsch und Thomas Schumann sorgen als Ganoven-Duo für komische Momente

Einfach zum Schießen

Im Festspiel-Musical sind sie ein echtes Traumpaar: Thomas Schumann (rechts) und Max Gertsch sorgen als Ganoven in „Kiss me, Kate“ für viele launige Momente. Mit vorgehaltener Waffe schaffen sie es zwar, die Hauptdarstellerin zum Weiterspielen zu zwingen. Einen WM-Fernseher im Bühnenbild konnten die beiden Fußball-Begeisterten Regisseur Stefan Huber allerdings bislang noch nicht abpressen. Da bleibt eben nur die Pförtnerloge – hier mit Bühnenpförtner Sebastian Tobisch in der Bildmitte – als Alternative. Fotos: Gottbehüt

Bad Hersfeld. Spätestens wenn sie als Brautjungfern verkleidet in Spitzenhöschen und pinkfarbenen Röckchen auf die Bühne trippeln, sind ihnen die Sympathien und Lacher der Zuschauer sicher: Max Gertsch und Thomas Schumann sind die Ganoven im Festspiel-Musical „Kiss me, Kate“.

Dabei sind die beiden eigentlich doch harte Jungs im dunklen Anzug, die am Theater für ihren Boss nur mal schnell Geld eintreiben wollen. „Doch vom Schauspiel-Parkett, das wir als Ganoven ja nicht kennen, sind selbst wir ein wenig eingeschüchtert – aber auch fasziniert“, sagt Thomas Schumann.

Erstmals im Ensemble

Der 51-jährige Wahl-Dresdner hat mit seinem knapp ein Jahr jüngeren Schauspieler-Kollegen Max Gertsch aus Berlin eins gemeinsam: Beide sind erstmals im Ensemble der Bad Hersfelder Festspiele dabei. Und wenn es sein muss, dann eben auch im bunten Röckchen.

Dieses optische Vergnügen haben sie Regisseur Stefan Huber zu verdanken. Genauso, wie ihr Engagement. Er kennt die Schauspieler schon lange und hat sie nach Bad Hersfeld geholt – denn trotz vieler gemeinsamer Stationen wie Hamburg und Berlin beteuern beide Ganoven: „Vor den Festspielen sind wir uns noch nie begegnet.“

In die Stiftsruine als Freilicht-Spielstätte und Bad Hersfeld als Austragungsort sind die beiden Großstädter schon jetzt verliebt. „Die Ruine als geschützter Raum für das Theater ist fantastisch“, sagt Gertsch. „Und die Festspiele sind quasi die S-Klasse der Traditions-Festivals“, ergänzt Schumann. Beide würden als Ganoven auch gerne im nächsten Jahr „zu Wiederholungstätern werden“.

Überhaupt: Nach Bad Hersfeld kommen sei ein bisschen so wie in der Feuerzangenbowle, als Pfeiffer mit drei „f“ in der kleinen Stadt aufs Gymnasium geht. Nach den Aufführungen gibt es in der Festspielkantine vom Publikum direktes Feedback, und auch in der Stadt und den Geschäften trifft man die Leute wieder.

„Viele begegnen uns mit so viel Freude, und fast mit Dankbarkeit – wir fühlen uns hier sehr angenommen“, berichtet Max Gertsch. Überhaupt empfinde er „die Vorstellungen als ein Geschenk für beide Seiten“. An 17 weiteren Abenden zähmen sie nun noch mit vorgehaltener Pistole die widerspenstige Hauptdarstellerin – damit im Stück der Theater-Rubel rollen kann, den sie danach ja abkassieren wollen.

Wer mit Waffengewalt so rüde Macht ausübt, dem sollte es doch eigentlich auch glücken, im gemeinsamen Interesse einen WM-Fernseher ins Bühnenbild zu schmuggeln, möchte man meinen. Doch diesen Wunsch konnten die beiden Fußball-Begeisterten bislang noch niemandem abpressen. „Zwischendurch ist der Fernseher beim Bühnen-Pförtner daher erste Anlaufstelle“, berichtet Schumann. Und auch die stille Post in den Katakomben unter der Bühne mit den Feuerwehrleuten und Kollegen funktioniere gut.

„Im Achtelfinale gegen Algerien waren wir Jogi sehr dankbar dafür, dass er die Tore nach unseren Schlussapplaus gelegt hat“, scherzt der Dresdner, der selbst „immer noch begeistert gegen jeden Ball tritt, der ihm vor die Füße rollt“, wie er sagt. Dafür dürften Joachim Löw und Hansi Flick im Gegenzug nun auch gemeinsam gerne mal in ihren Spitzenhöschen über die Bühne tanzen – das sei Ganovenehre. Nur mit dem Wetter, da könnte es noch besser sein. Bei Fritz-Walter-Wetter spiele vielleicht das Deutsche Team gut – „uns wäre es im Sinne der Gesundheit trocken und warm jedoch lieber“, sagt Max Gertsch.

Von Peter Gottbehüt

Kommentare