Montagsinterview mit Christina Dodenhoff über Mütter im Weihnachtsstress

Einfach mal Nein sagen

Im Rotenburger Büro der Müttergenesung: Christina Dodenhoff mit – Achtung – gekauften Plätzchen. Sie weiß: „Man muss nicht alles selbst machen. “ Foto: Schäfer-Marg

Hersfeld-Rotenburg. Weihnachten ist das Familienfest schlechthin. Erwachsene Kinder verbringen die Feiertage gern im Elternhaus, kleine Kinder genießen schon im Advent die besondere Atmosphäre des geschmückten Heimes und der Feiern in Kindergarten und Grundschule. Und wer sorgt dafür, dass das Fest gelingt? Die Mutter. Wir sprachen mit Christina Dodenhoff, die beim Diakonischen Werk im Kirchenkreis Hersfeld-Rotenburg zuständig ist für Müttergenesung, über den Stress der Mütter im Dezember.

Weihnachten ist das Familienfest schlechthin. Warum ist grundsätzlich die Mutter für sein Gelingen verantwortlich?

Christina Dodenhoff: Ich glaube, dass Mütter die Schaltzentrale der Familien sind. Sie fühlen sich verantwortlich für das seelische Wohlbefinden aller. Der Familie ein schönes Fest zu bereiten, gehört für sie dazu.

Dieses schöne Fest bedeutet aber viel Stress im Vorfeld. Wie können sich Mütter davor schützen?

Dodenhoff: Das ist nicht einfach. Oft müssen sie erst lernen, Nein zu sagen. Das ist nämlich schwerer als Ja sagen. Im Hintergrund schwingt nämlich immer ein wenig schlechtes Gewissen mit. Mütter erfahren mit der Geburt ihres Kindes eine große Freude, aber auch eine große Verantwortung. Im Wunsch, immer alles richtig zu machen, liegt dann die Ursache für den Stress – der im Übrigen auch krank machen kann.

Gibt es also kein Entrinnen?

Dodenhoff: Doch. Mütter sollen Hilfe einfordern. Wenn also alle zum Fest kommen wollen, sollte die Arbeit aufgeteilt werden: Einer ist verantwortlich für den Nachtisch, einer bringt Plätzchen mit, einer muss den Tisch decken und einer schmückt den Baum. Schlafgäste können durchaus auch eigene Bettwäsche mitbringen, damit nach dem Fest nicht zu viel Wäsche anliegt. Die Familie zieht da auch mit. Man muss es nur versuchen. Es will schließlich keiner, dass die Mutter an Heiligabend am Ende ihrer Kräfte ist.

Das klingt nach einer machbaren Lösung für das eigentliche Fest. Doch davor liegt der Advent, vier Wochen mit Basaren, Weihnachtsfeiern und Geschenkekäufen. Das bedeutet viel Hektik und Hetze.

Dodenhoff: Auch da sollten Mütter mutig sein und Nein sagen, wenn es ihnen zu viel wird. Oder nach einfachen Lösungen suchen. Wenn also ein Kuchen für einen Basar gefordert wird, wird ein Rührkuchen gebacken statt der aufwendigen Torte.

Auch den Geschenkekauf kann man entspannt gestalten. Man kann Wunschzettel einfordern und auch den Vater Geschenke organisieren lassen. Mütter sollten übrigens auch Wunschzettel schreiben. Dann müssen sie keine Enttäuschung befürchten und sich gezwungen sehen, gute Miene zu machen. Das beste Geschenk für Mütter ist allerdings Zeit. Die sollten sie sich selbst schenken. Im Familienkalender sollten jede Woche zwei Stunden fest eingetragen werden: „Meine Zeit“. Glauben Sie mir, das funktioniert.

Von Silke Schäfer-Marg

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