Einblick in die ehemalige Tuchfabrik Braun am Blauen Sonntag in Bad Hersfeld

Einfach mal blau machen

Bei dem Rundgang durch das Gebäude erfuhren die Besucher viel Wissenswertes über die Tuchmachertradition in der Stadt Bad Hersfeld. Nichts in dem mit viel Licht durchfluteten Raum erinnert an die frühere Zuschneiderei. Fotos: Schmidl

Bad Hersfeld. Das „Netzwerk Industriekultur Nordhessen“ (Nino) lockte mit spannenden Einblicken in die Industriekultur der Region. 36 Standorte öffneten am „Blauen Sonntag“ ihre Türen für die interessierte Besucher. In Bad Hersfeld wurden in der denkmalgeschützten Werkhalle auf dem Gelände der ehemaligen Tuchfabrik Braun in der Landecker Straße 2a vier Führungen unter der fachkundigen Leitung von Johannes van Horrick und mit tatkräftiger Unterstützung des jetzigen Eigentümers Friedrich Krumme angeboten.

Fährt man über die Hochbrücke, kann man das Gebäude gut an der großflächigen Photovoltaik-Anlage auf dem Dach erkennen. Die Räumlichkeiten werden für den Bauhof der Firma Krumme GmbH Kläranlagen-Spezialbau genutzt oder sind als Büros vermietet. Aber auch die größte Mauerseglerkolonie der Stadt fühlt sich in dem Industriedenkmal wohl.

Diese Immobilie lebt

Friedrich Krumme hat vor dem „Blauen Sonntag“ nicht nur den früheren Lagerraum und die Zuschneiderei sorgfältig gefegt, sondern bewahrt auch den Wagen für die Tuchballen und die von der Firma Schilde gebauten Dachlüfter als ein Stück Hersfelder Geschichte auf.

Das Tuchmacherhandwerk prägte einst das Stadtbild von Bad Hersfeld. Davon konnten sich die zahlreichen Besucher aus nah und fern anhand großformatiger Luftaufnahmen überzeugen. Neben den Erklärungen zu der interessanten Industriearchitektur, von der viel Gebäudesubstanz dem Straßen- und Brückenbau der sechziger Jahre zum Opfer fiel, informierte Johannes van Horrick auch über die Bedeutung der Hersfelder Tuchherstellung.

Für die wurde schon ab 1853 die erste Dampfmaschine eingesetzt.

Die Firmen Rechberg und Braun schlossen sich zwischen 1920 und 1937 zur größten Tuchfabrik in Deutschland zusammen. Die Führungen wurden durch eine Ausstellung im Gebäude der früheren Rockfabrik Heinze ergänzt.

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Von Gudrun Schmidl

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