Freisprüche im Prozess um Badeunfall während Klassenfahrt

Tod eines Schülers: Lehrer ohne Schuld

Bad Hersfeld. Am tödlichen Badeunfall eines 19-jährigen Schülers aus Bad Hersfeld am 28. September 2007 während einer Tutorenfahrt in der Toskana waren die drei begleitenden Lehrer der Modellschule Obersberg ohne Schuld: Sie wurden gestern vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen.

Während der zweitägigen Beweisaufnahme waren weder formal noch im konkreten Fall Pflichtwidrigkeiten erkennbar gewesen, mit der sich eine Verletzung der Aufsichtspflicht hätte begründen lassen.

Entscheidend war dabei zum einen eine von der Mutter des Verstorbenen unterschriebene Entbindung von der Aufsichtspflicht und zum anderen das im Nachhinein ebenfalls schriftlich dokumentierte Verbot, mit dem einer der Angeklagten den Schülern das Baden im Meer am letzten Abend der Reise untersagt hatte.

Dass dennoch eine Gruppe von fünf volljährigen Schülern zum Schwimmen an den einen Kilometer vom Hotel entfernten Strand ging, und einer von ihnen durch eine Unterströmung ins aufgewühlte Meer hinausgezogen wurde und ertrank, das lag dann zumindest rechtlich nicht mehr in der Verantwortung der Lehrer.

Ohnehin hätten die Angeklagten keine Möglichkeit gehabt, bei den erwachsenen Schülern ein Verbot durchzusetzen. Noch dazu stand der letzte Reisetag zur freien Verfügung, war also keine schulische Veranstaltung.

Richter Elmar Schnelle sagte in der Urteilsbegründung jedoch auch, dass sich dieser Fall nicht auf das Juristische reduzieren lasse. Neben dem 19-Jährigen seien auch dessen Angehörige, die vier überlebenden Mitschüler und die drei Lehrer Opfer des Unglücks. Doch der Versuch, in einem Gerichtsverfahren menschliches Leid aufzuarbeiten, sei von vornherein zum Scheitern verurteilt, sagte Schnelle.

Das Urteil folgte den gleichlautenden Anträgen von Staatsanwalt Werner Stock und den drei Verteidigern.

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Von Karl Schönholtz

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