Zu Gast bei einer Beschneidungsfeier der islamischen Gemeinde in Bad Hersfeld

Einen Tag lang Prinz

Die Beschneidungsfeier ist Ardas Tag. Er ist festlich gekleidet, steht im Mittelpunkt, bekommt Geschenke, und es wird nicht mit ihm geschimpft. Unser Bild zeigt ihn mit seinen Eltern und seiner älteren Schwester. Fotos: Knoth

Bad Hersfeld. Wie ein waschechter Prinz fühlt sich Arda Kukur bei seiner Beschneidungsfeier. Herausgeputzt im weißen Anzug samt Weste, Fliege, Schärpe und Kummerbund steht dem Sechsjährigen der Stolz ins Gesicht geschrieben.

Umhang, Zepter und passende Kopfbedeckung komplettieren die königsgleiche Bekleidung, die für diese Anlässe oftmals noch eigens in der Türkei gekauft wird. „Heute steht Arda ganz im Mittelpunkt, er wird verwöhnt und soll auch nicht geschimpft werden“, erklärt Nazente Yilmaz, die mit Ardas Familie befreundet ist.

Schuhe streng verboten

Zur Feier von Ardas Beschneidung haben sich am Sonntag weit über einhundert Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn und Bekannte in der Dudenstraße eingefunden. Dort hat die Türkisch-Islamische Gemeinde Bad Hersfeld eine Moschee eingerichtet.

Für Männer und Frauen gibt es hier jeweils einen Gebetsraum. Eine digitale Anzeige an der Wand verkündet die Zeitpunkte für die fünf täglichen Gebete sowie die Uhrzeit des Sonnenaufgangs, zu der nicht gebetet werden darf.

Schuhe sind in den mit Teppich ausgelegten Räumen streng verboten – man geht barfuß und sitzt auf dem Boden, während der Geistliche, genannt „Hodscha“, aus dem Koran liest. Die melodische Lesung erinnert jedoch eher an Gesang als an bloßes Vorlesen.

Gleich drei Hodschas erfüllen am Sonntag den Gebetsraum der Männer mit ihrem Vortrag in arabischer Sprache. Später erklären sie meist noch einmal auf Türkisch, worum es in der zitierten Koran-Passage ging. Gebetet wird mit nach oben geöffneten Handflächen.

Ein Lautsprechersystem ermöglicht es den Frauen im anderen Zimmer, auch an der religiösen Feier teilzuhaben. Grundsätzlich müssen sie sich beim Beten außerhalb der Blickweite der Männer aufhalten. TExt unten

Von Carmen Knoth

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