Berufsschülerin spendete Knochenmark

Mit einem Pieks Leben gerettet

Volltreffer: Bereits zwei Wochen nach ihrer Typisierung wurde Ann-Katrin Hafran von der DKMS angeschrieben. Foto: Shuhaiber

Bad Hersfeld. Einen kleinen Pieks und fünf Milliliter Blut –mehr braucht es nicht, um in die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) aufgenommen zu werden. Für Ann-Katrin Hafran war es ein Riesenschritt: „Mir wird schlecht beim Blut abnehmen“, bekennt sie.

Trotzdem war sie mutig und hat sich bei der Typisierungsaktion in den Beruflichen Schulen am Obersberg in Bad Hersfeld ihrer Angst gestellt und sofort einen Treffer gelandet. Bereits zwei Wochen später erhielt die 18-Jährige Post von der DKMS. Ihr Knochenmark wurde gebraucht.

Ann-Katrin ließ sich ein weiteres Mal Blut abnehmen, diesmal drei Röhrchen mit je 30 Millilitern für weitere Voruntersuchungen in Frankfurt. Dann ging alles ganz schnell, Ann-Katrins genetischer Zwilling brauchte dringend ihr Knochenmark.

Aus dem Beckenknochen

Die Schülerin ließ sich unter Vollnarkose Knochenmarkblut aus dem Beckenknochen entnehmen. „Es war überhaupt nicht so schlimm, wie ich es mir vorgestellt habe“, sagt Ann-Katrin. Der Eingriff dauerte eine Stunde und bereits kurz nach der Operation fühlte sie sich wieder fit: „Ich hatte nur ein Paar Piekser, so groß wie Mückenstiche.“

Über ihren genetischen Zwilling weiß sie nur, dass es eine 42-Jährige Frau aus Deutschland ist. Ann-Kathrin ist neugierig auf den Menschen, dem sie das Leben gerettet hat. Noch muss sie sich gedulden. Erst in zwei Jahren wird sie mehr über die Frau erfahren. Über eine Kontaktstelle in Tübingen will sie der 42-Jährigen in den nächsten Tagen einen Brief schreiben.

„Es ist ein gutes Gefühl, einem Menschen geholfen zu haben“, sagt Ann-Katrin und lächelt. Seit der Knochenmarkspende setzt sie sich bewusster mit sozialen Themen auseinander.

Umfeld ist sensibler

Künftig will die Schülerin regelmäßig Blut spenden. Auch ihr Umfeld ist heute sensibler. Ihre Mutter lässt sich demnächst auch typisieren. Verwandte, Lehrer, Schüler und Freunde, alle ziehen den Hut vor dem Mut der 18-Jährigen, die später Erzieherin werden möchte.

Für sie selbst ist die Spende keine große Sache: „Ich habe nichts besonderes gemacht, mein Dank gilt dem Deutschen Roten Kreuz und der DKMS, die mich gut betreut haben und Großes leisten.“

Von Alia Shuhaiber

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