Marcel Kiel spendete Stammzellen für Leukämie-Patientin in Serbien

Mit einem kleinen Pieks geholfen

Marcel Kiel spendete einer ihm unbekannten Frau aus Serbien Stammzellen und gab ihr so die Chance, den Blutkrebs zu besiegen. Foto: nh

Hersfeld-Rotenburg. Ein kleiner Pieks vor zwei Jahren war Marcel Kiels erster Schritt auf dem Weg zum Lebensretter. In der Kaserne in Plön ließ sich der 21-Jährige, der aus Eiterfeld kommt und jetzt im Kreis Hersfeld-Rotenburg lebt, 2012 als Stammzellspender bei der Stefan-Morsch-Stiftung registrieren. Im Frühling tat er den zweiten Schritt: Er gab einer an Leukämie erkrankten Frau Mitte 50 aus Serbien die Chance, den Blutkrebs zu besiegen, indem er ihr als seinem genetischen Zwilling Stammzellen spendete.

Wenige Monate danach erzählt er: „Der Patientin geht es besser, die Stammzellen wurden vom Körper gut angenommen und ich wünsche mir für sie, dass sie wieder gesund wird.“ Die Stefan-Morsch-Stiftung bietet unter dem Motto „Hoffen – Helfen – Heilen“ seit fast 30 Jahren Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke.

Nicht lange überlegt

Marcel Kiel war 2012 als Zeitsoldat in Plön stationiert. Bei der Blutspende, die die Bundeswehr regelmäßig anbietet, wurde er auf die Stiftung aufmerksam und überlegte damals nicht lange: „Ich wollte mich typisieren lassen, um zu helfen und Leukämiekranken die Möglichkeit zu geben, geheilt zu werden.“ Eine Blutprobe, so viel wie in einen Fingerhut passt, wird im Labor auf die transplantationsrelevanten Gewebemerkmale, die HLA-Werte, untersucht. Die Daten werden dann anonym in einem Zentralregister gespeichert, um diese mit weltweit laufenden Suchanfragen zu vergleichen.

Marcel Kiel ist gelernter Großhandelskaufmann. Auf der Suche nach seinem Traumberuf drückt er mittlerweile wieder die Schulbank an der Modellschule Obersberg in Bad Hersfeld. Dort will er das Abitur machen, um danach Physik zu studieren – sein Lieblingsfach neben Mathematik.

Vor Weihnachten 2013 bekam er Post von der Stiftung, und nach Weihnachten war klar, dass er der passende Spender ist. Von allen Seiten bekam er Zuspruch und Unterstützung, seine Freundin begleitete ihn zum Entnahmetermin. Bevor Kiel Stammzellen spenden durfte, wurde er umfangreich aufgeklärt und untersucht, um herauszufinden, ob er wirklich der optimale Spender ist. Gleichzeitig soll ausgeschlossen werden, dass der Spender ein gesundheitliches Risiko eingeht.

Dann begann die entscheidende Phase vor der Transplantation: Um die Stammzellen, die sich im Knochenmark befinden, zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten. Bei Kiel wurde die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut vorgenommen – ähnlich wie bei einer Dialyse. Dazu wurde dem Hobby-Gitarristen einige Tage lang ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen in das Blut übergehen lässt. In einer Entnahmestation werden dann die Stammzellen aus dem Blut herausgefiltert. Apherese heißt dieses Verfahren, das auch für den künftigen Physiker spannend war. „Ich mag keine Spritzen“, sagt Kiel. „Trotzdem war es nicht schlimm.“ Bei der klassischen Methode wird Knochenmark aus dem Beckenknochen entnommen.

Marcel Kiel und die Empfängerin bleiben bis zum Ablauf von zwei Jahren anonym. Erst danach besteht die Möglichkeit, je nach Gesetzeslage des Landes, in dem der Patient lebt, sich kennenzulernen.

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