Stadtkirchengemeinde öffnete die Türen für alle, die Heiligabend nicht allein sein wollten

Eine Weihnachtsfamilie

Weihnachten nicht alleine: Im Bad Hersfelder Martin-Luther-Haus fand am heiligen Abend eine Feier statt, die von Elke Barth (vor dem Weihnachtsbaum) und anderen ehrenamtlichen Helfern organisiert wurde. Foto: Eisenberg

Bad Hersfeld. Das Krippenspiel ist vorbei, die letzten Akkorde von „O du fröhliche verklungen“. Aus der Bad Hersfelder Stadtkirche strömen die Menschen hinaus in die heilige Nacht. Auf sie warten ein gemeinsames Essen, die Bescherung und gemütliche Stunden in der Familie. Auf manch einen aber auch die Einsamkeit einer leeren Wohnung.

Einige von denen, die niemanden mehr haben oder weit entfernt von ihren Verwandten leben, nehmen nach dem Gottesdienst den Weg in das nahe Martin-Luther-Haus. Schon nach dem Krippenspielhaben sich in dem festlich geschmückten Saal gut 30 Menschen eingefunden. „Viele wollen auch erst nach dem zweiten Gottesdienst kommen“, erklärt Elke Barth, die das Angebot mit Buffet, Musik und als Überraschung eine Zauberschau, gemeinsam mit anderen freiwilligen Helfern organisiert hat. „Ich selbst habe Weihnachten bisher immer mit meiner Familie gefeiert. Es gibt viele, die alleine zu Hause sind. Das lag mir am Herzen“, berichtet die Bad Hersfelderin.

„Wir haben schon öfter über die Möglichkeit für ein solches Treffen gesprochen“, erzählt Pröpstin Sabine Kropf-Brandau. „Dann hat Elke Barth gesagt, ich würde es gerne in die Hand nehmen.“ Schnell hätten sich Unterstützer zum Schmücken, Vorbereiten des Buffets und zum Helfen gefunden.

„Wir sind heute eine Weihnachtsfamilie“, unterstreicht Elke Barth zur Begrüßung. Unter den Gästen sind Männer und Frauen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft. „Wir wären sonst alleine“, sagt eine Frau und ihre beiden Tischnachbarinnen nicken. „Ich wollte bei Bekannten feiern, aber die sind krank geworden“, erzählt eine Andere den Umsitzenden am Tisch gegenüber. Weil sich nicht alle im Raum kennen, werden die Namen auf Anstecker in Form eines Weihnachtssternes geschrieben.

Am Tisch vor dem Christbaum spielt Christoph Kriefall auf der Gitarre. Manchmal habe er bei seiner Schwester gefeiert, aber die wohne weit weg. „Ich wollte nicht allein sein und mit meiner Musik gleichzeitig anderen eine Freude machen“, erzählt er. Heiko Licht berichtet, dass er seine Hilfe bei der Feier spontan zugesagt habe. „Für die Verwandten ist ja auch an den beiden Feiertagen noch genug Zeit“. Ähnlich sieht das auch Elisabeth Gümbel. Die Mitarbeiterin des Vereins die Brücke, aus dessen Tagesstätte heute einige Gäste gekommen sind, spricht sogar schon von einer Widerholung im kommenden Jahr.

„Für mich ist es auch das erste mal, dass ich außerhalb der Familie feiere“, betont Elke Barth. Übel genommen habe ihr das keiner der Angehörigen. „Ich habe sie alle in der Kirche gesehen, als ich beim Krippenspiel mitgespielt habe. Zum Abschluss gehe ich noch in die Christmette“, berichtet die Bad Hersfelderin, als von der nahen Stadtkirche das Läuten der Glocken herüberdringt.

Von Jan-Christoph Eisenberg

Kommentare