Opernfestspiele: Maria Gessler in der Rolle der Donna Elvira in „Don Giovanni“

Eine sensible Vollfrau

Maria Gessler genießt die Probenarbeit auf der Bühne der Stiftsruine. Sie hegt Sympathie für Donna Elvira, die sie bei den Opernfestspielen verkörpert. Foto: Schmidl

Bad Hersfeld. „Sie ist die einzige, die Don Giovanni wirklich liebt“. Maria Gessler spricht von Donna Elvira, einer leidenden Frau, die unheimlich kämpft und die sie bei den Bad Hersfelder Opernfestspielen verkörpert. „Ich habe die Rolle gemacht, weil mir Elvira in der Trilogie gefehlt hat. Es ist zur Konvention geworden, im Falle von „Figaros Hochzeit“, „Cosi fan tutte“ und „Don Giovanni“ von den „Da-Ponte-Opern“ als Trilogie zu sprechen. In Mozarts „Figaro spielte Maria Gessler die Gräfin und in „Cosi fan tutte“ die Despina.

Die Figur der Elvira ist für sie die spannendste. Die Sopranistin bedauert, dass Elvira oftmals nur als hysterisch dargestellt wird. „Das nimmt die Sympathie für die Vollfrau mit zarter Seele“. Sie ergänzt: „Um die zu spielen, sollte man schon erfahrener sein.“

Es ist ihr erstes Engagement in Bad Hersfeld. Vor sechs Jahren hat sie die Stiftsruine als Besucherin einer Vorstellung von „Don Giovanni“ kennengelernt, um einen guten Freund auf der Bühne zu erleben. Jetzt steht sie selbst auf der Bühne, die sie einfach nur phänomenal findet. „Wir mussten mehrmals in der Stadthalle proben. Ich war froh, wenn wir wieder in der Stiftsruine waren.“ Sie sprüht vor Begeisterung über diesen genialen Ort und nimmt Details wie die einzelnen Sonnenblumen im Mauerwerk wahr, die normalerweise kaum jemand bemerkt.

Die Stadt bezeichnet sie als allerliebst und reizend. Da Elvira keine stücktragende Rolle ist und es während der Probenarbeit für sie Lücken gab, nutzte sie die freie Zeit für Stadtbummel und Fahrradtouren. Sie hat sich auch die Festspielstücke „Anatevka“ und „Der Zauberberg“ angesehen.

Maria Gessler, die ein mehrjähriges Festengagement am Theater Plauen-Zwickau hatte, ist auf eigenen Wunsch seit zwei Jahren freischaffend. „Das ist risikoreicher, es geht aber besser als ich dachte.“ Ihre Wohnung in Zwickau hat sie jedoch behalten. „Wer so viel unterwegs ist, braucht sein Nest.“

Eine Rückkehr in die Schweiz, ihr Heimatland, hat sie in Erwägung gezogen. Sie ist aber auch offen für ein weiteres Festengagement. Bis dahin genießt sie ihre Freiheit, die sie besonders auf der Bühne empfindet. „Die Oper ist mir lieber als Konzerte. Da kann ich mich mehr ausleben.

Von Gudrun Schmidl

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