Volker Lechtenbrink spielte in „Heute weder Hamlet“ ein bisschen auch sich selbst

Eine Rolle wie das Leben

Baden im Applaus: Volker Lechtenbrink lässt sich vom Hersfelder Publikum feiern. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Ingo Sassmann ist der Vorhang. Als Theatertechniker sorgt er dafür, dass der „Lappen“ nicht nur im rechten Moment, sondern auch zum Stück passend mal schnell, mal langsam auf- und zugezogen wird. Und weil dieser Sassmann erstens von seinem Arbeitsplatz aus das Bühnengeschehen immer im Blick hat und zweitens früher selbst einmal Schauspieler war, weiß er alles über das Theater und hat viel zu erzählen.

Ganz dicht dran

So wie Volker Lechtenbrink. Zwar spielt der in Rainer Lewandowskis Komödie „Heute weder Hamlet“ nur eine Rolle, doch die ist wohl ganz dicht dran an dem, was ihr Darsteller in seinem langen Berufsleben selbst erlebt hat.

Und so schien es bei der Aufführung in der Bad Hersfelder Stadthalle so, als hätte Lechtenbrink „seine“ Hersfelder eingeladen, um ihnen die besten Schwänke aus seinem Leben zu erzählen.

Das Ein-Personen-Stück, in dem die Zuschauer wegen einer Erkrankung des Hauptdarstellers eigentlich nach Hause geschickt werden sollen, dann aber von jenem Sassmann trefflich unterhalten werden, ist Lechtenbrink auf den Leib geschrieben: Im Plauderton gibt er Berufsgeheimnisse zum Besten, lästert über eitle oder unfähige Kollegen, trauert der eigenen verpatzen Karriere hinterher und kommt immer wieder auf jenen Hamlet zu sprechen, den das Publikum doch eigentlich sehen sollte.

Was wie ein Kabarett beginnt, das verändert mit zunehmender Spieldauer seine Grundstimmung. Aus Klamauk wird tiefe Nachdenklichkeit, denn dieser Sassmann ist eine gebrochene Persönlichkeit. Volker Lechtenbrink gelingt es, diese Veränderung glaubhaft und nachvollziehbar darzustellen. In diesen Moment erinnert seine Figur an den aufbegehrenden Orchestermusiker aus Patrick Süskinds „Der Kontrabass“.

„Kann es mir aussuchen“

Im Übrigen ist es natürlich kein Zufall, dass bei der Produktion von „Heute weder Hamlet“ mit Regisseur Andreas Kaufmann und Bühnenbildner Thomas Pekny zwei Weggefährten aus Lechtenbrinks Hersfelder Intendanz beteiligt waren.

„Ich kann mir aussuchen, mit wem ich arbeite,“ hatte der erfolgreiche Theatermann vor der Vorstellung im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt, „und deshalb versuche ich mit denen zu arbeiten, mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe. Das ist ein Geben und Nehmen.“

Von Karl Schönholtz

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