Festspiel-Paar: Julie und Steve verstoßen in „Show Boat“ gegen die Rassentrennung

Eine riskante Liebe

Bad Hersfeld. Sie ist der Star auf der Cotton Blossom, er ein eher mäßig begabter Schauspieler. Trotzdem lieben sich Julie La Verne und ihr Mann Steve Baker aus dem Festspiel-Musical „Show Boat“. Und sie teilen ein riskantes Geheimnis miteinander. Denn Julie hat eine afroamerikanische Mutter und Mischehen sind im Amerika der 1920er-Jahre, zur Zeit der Rassentrennung, nicht erlaubt.

Auf Augenhöhe

„Julie und Steve sind im Kontext des Stücks ein sehr spannendes Paar“, so Andreas Christ, der den Steve spielt. „Sie stellen das Thema Schwarz und Weiß dar und die Konsequenzen.“ Für seine Kollegin Sophie Berner in der Rolle von Julie ist es eine Liebe auf Augenhöhe, auch wenn sie sich im Stück über die Bühnenqualität ihres Gatten amüsiert. „Sie macht sich nicht wirklich lustig, ich glaube, sie findet es eher süß“, so Berner. „Er ist ihr Vertrauter und kennt als einziger ihr Geheimnis.“ Steve komme anfangs wie ein eifersüchtiger Hansel rüber, meint Christ, aber später erkläre sich sein Handeln.

Während der Proben für die Show auf dem Schiff wird Julie dann schließlich auch von den örtlichen Behörden der Stadt verwiesen. Ihre illegale Ehe ist aufgeflogen. Steve bekennt sich zu seiner Frau – zumindest vorerst ...

Kein „Sympathiegedöns“

Sowohl Christ als auch Berner sind zum ersten Mal bei den Bad Hersfelder Festspielen dabei und haben sich auch erst dort kennengelernt. „Sophie ist eine tolle Partnerin“, lobt Christ, der zugibt, dass viele Schauspieler gegenüber Musicaldarstellern gewisse Vorurteile hätten. „Wir haben beide Lust, was auszuprobieren und ein Risiko einzugehen. Wenn das zusammenpasst, ist das toll. Was unsere Arbeitsweise betrifft, haben wir uns als Paar getroffen“, so Christ weiter.

Für ihre Rollen als Paar auf der Bühne habe es aber keine Bedeutung, dass sie sich sympathisch seien, sagt Berner. Mit so einem „Symphatiegedöns“ könne sie nicht viel anfangen. Egal, ob man sich gut verstehe oder nicht, das Resultat sollte das Gleiche sein. „Alles andere wäre unprofessionell“, stellt sie klar.

Was genau passiert, nachdem Julie und Steve das Show Boat verlassen haben, erfährt das Publikum übrigens nicht. Julie tritt später noch einmal als Sängerin auf, betrunken und offenbar ziemlich unglücklich. „Viele fragen sich: wo ist eigentlich Steve?“, berichtet Christ. Berner hat sich ihre ganz eigene Version zurechtgelegt, den „stärksten Motor“ für diese Szene: „Ich glaube, er hat sie verlassen, weil ihm das Risiko dann doch zu groß war.“

Auf die Frage, wie es wäre, wie Julie und Steve mit dem Partner zusammenzuarbeiten, reagieren beide Festspieler unterschiedlich. Während Berner ihr Privatleben lieber für sich behält, ist Christ in dieser Hinsicht ziemlich offen: „Es ist schon angenehm mit jemanden aus dem gleichen Metier zusammen zu sein. Der Versuch mit einer Schauspielerin zusammen zu sein, ist bei mir aber definitiv gescheitert!“

Wobei es doch einfach darum gehe, jemanden zu finden, der „einen so nimmt, wie man ist“. Und überhaupt: „Die Liebe hat eine enorme Kraft“, meint Christ. Dem kann auch Berner nur zustimmen.

Von Nadine Maaz

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