HZ-Interview mit Paralympics-Siegerin Manuela Schmermund über den Lullus-Sportpark

„Eine Tür ist noch offen“

Eine Sportlerin gibt nicht auf: Manuela Schmermund kämpft bis zuletzt um den Lullus-Sportpark, hier beim Interview mit HZ-Redaktionsleiter Kai A. Struthoff. Foto: N. Maaz

Bad Hersfeld. Am Donnerstag steht der Lullus-Sportpark erneut auf der Tagesordnung des Stadtparlaments. Es wäre der letzte Zeitpunkt, um die notwendigen Planungen für das Projekt zu beauftragen, ohne die es kein Fördergeld aus Wiesbaden gibt. Kai A. Struthoff sprach mit Paralympics-Siegerin Manuela Schmermund über die Chancen des Lullus-Sportparks.

Frau Schmermund, Sie haben sich von Anfang an sehr für den Lullus-Sportpark engagiert und aktiv am Konzept mitgearbeitet. Warum?

Manuela Schmermund: Bei diesem Projekt arbeiten bei mir Herz und Verstand zusammen. Die Kombination der Möglichkeiten, die sich im Lullus-Sportpark bieten, ist bundesweit einzigartig. In einem einzigen, lokal begrenzten Bereich existieren bereits jetzt viele unterschiedliche Sport- und Bewegungsangebote. Diese Vereine müssen sich für die Zukunft und den demografischen Wandel neu aufstellen. Der Lullus-Sportpark ist dabei so eine Art eierlegende-Wollmilchsau, denn er schlägt Brücken zum Lokalen, bietet Angebote für Jung und Alt, für unterschiedliche Kulturen und für Menschen mit Einschränkungen aller Art. Das ist praktische Inklusion, und eben das ist bundesweit einmalig.

Ihre Begeisterung ist authentisch, ebenso wie ihre Enttäuschung, als das Projekt im Stadtparlament scheiterte. Macht sich eine Stadt mit massivem Haushaltsdefizit tatsächlich „lächerlich“, wie Sie damals schrieben, wenn sie eine derartige Millionen-Investition scheut?

Schmermund: Zu diesem späten Zeitpunkt empfand ich die Bedenken tatsächlich als lächerlich. Das Projekt wurde allen Fraktionen vorgestellt, und alle konnten sich aktiv daran beteiligen. Aber außer dem klaren Bekenntnis zu der Sache über alle politischen Grenzen hinweg, kam nichts. Auch später bei allen Diskussionen nicht. Vor allem nicht von den Kritikern. Dabei gab es viele Gelegenheiten zum Gespräch.

Die Kritiker vermissen vor allem klare Förderzusagen...

Schmermund: Auch das ist lächerlich. Alle Fraktionen, alle Stadtverordneten sollten wissen, wie derartige Projekte und ihre Förderwege ablaufen. Es gab zudem ein klares Bekenntnis unseres Ministerpräsidenten zu dem Projekt. Aber ohne einen prüffähigen Antrag – und nur darum geht es zunächst – kann nun mal keine verbindliche Förderzusage erteilt werden.

Wie hat man in Wiesbaden auf die Absage des Stadtparlaments reagiert?

Schmermund: Sehr befremdet. Aber es ist noch eine Tür offen. Noch ist etwas Zeit. Das Land steht zu seinen Zusagen. Aber jetzt muss ein klares Zeichen aus Bad Hersfeld kommen. Das Projekt ist in unterschiedliche förderfähige Abschnitte eingeteilt, für die aus unterschiedlichen Töpfen Geld kommen kann. Und uns wurde zum Beispiel für den Bereich des speziellen Sonderinvestitionsprogrammes „Herausragende Sportanlagen“ eine Förderung von bis zu 50 Prozent avisiert.

Sie betonen immer wieder, dass der Lullus-Sportpark auch Angebote für Behinderte bietet. Sollte nicht eigentlich jede Sportanlage barrierefrei und offen für alle Menschen sein?

Schmermund: Bei den meisten bereits bestehenden Sportanlagen wurde der Aspekt der Barrierefreiheit bisher kaum bedacht – das gilt nicht nur für Bad Hersfeld. Hier setzt der Sportpark ein: Es soll Möglichkeiten geben, zum Beispiel Basketball zu spielen, mit dem Hand-Bike sogar Biathlon zu machen, es soll eine Einstiegsstelle für Rollstuhlfahrer im Fuldasee zum Schwimmen geben, einen speziellen Steg mit Übersetzhilfe, damit auch Rollstuhlfahrer in Boote einsteigen können. Vom Leistungs- bis zum Freizeitsport ist eigentlich alles möglich.

Die Möglichkeiten gehen aber doch über den reinen Sport hinaus, oder?

Schmermund: Genau. Die möglichen Synergien sind groß. In Bad Hersfeld findet der Deutschen Behindertentag statt. Der Sportpark könnte das kulturelle Angebot ergänzen. Die Kliniken könnten ihn für Reha-Angebote nutzen. Für den Tourismus ist so ein Angebot interessant. Und es hat auch eine wirtschaftliche Komponente, denn für viele Firmen sind diese weichen Standortfaktoren auch bei der Suche nach Fachkräften wichtig.

Die Kritiker des Projekts sagen, dass es schon längst nicht mehr um den von Ihnen beschriebenen Sportpark geht, sondern nur um eine Sanierung des Stadions an der Oberau. Ist der Lullus-Sportpark eine Mogelpackung?

Schmermund: Ich finde die Umbenennung des Projekts durch den Magistrat befremdlich – das ist eine Irreführung. Ich bin auch über die Pressemeldungen von SPD und Grünen irritiert. Es gibt offenbar viel Unkenntnis über die Fördermodalitäten, und deshalb wird auch viel Falsches behauptet.

Zum Beispiel?

Schmermund: Eine Förderung in einem solchen Umfang ist ausschließlich an das ursprüngliche Gesamtkonzept gebunden. Deshalb ist die pauschale Ablehnung des Projekts kurzsichtig. Es wird viel zu wenig über die Nachhaltigkeit dieses Projekts nachgedacht. Ich bin natürlich auch nicht Mutter Allwissend, aber mir fehlt der konstruktive Austausch mit den Kritikern. Statt dessen wird nach dem Haar in der Suppe gesucht. Deswegen hoffe ich, dass die Abgeordneten, insbesondere wegen unserer Kinder und Jugendlichen und dem Ehrenamt, ohne das diese Gesellschaft keine Zukunft hat, ein positives Signal nach Wiesbaden schicken.

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