Deckenbau ohne wochenlange Staus und Umleitungen: Baufirma Kirchner hat bewiesen, dass es geht

Eine neue Fahrbahn über Nacht

Mit dem eigens für den Kompaktasphalt optimierten Fertiger schaffte der Einbauzug der Baufirma Kirchner bei Ingolstadt das Ziel und brachte auf einer 3,5 Kilometer langen Bundesstraße eine neue Fahrbahndecke auf. Firmenfoto: Kirchner

Bad Hersfeld. Mit dem Frühjahr kommen die Baustellen und die Staus. Die Autofahrer schimpfen und fragen sich, warum das alles so lange dauern muss.

„Das muss nicht sein. Bei manchen Projekten geht es auch anders“, sagt Willi Dietrich von der Einheit „Innovative Technik Verkehrswegebau (ITV)“. „Aber Geschwindigkeit hat ihren Preis“, schränkt er im selben Atemzug ein.

Dietrich ist langjähriger Leiter der Maschinentechnik bei der Bad Hersfelder Baufirma Kirchner. Die Strabag-Tochter hat erst kürzlich bewiesen, dass man bei der Erneuerung von Fahrbahndecken richtig Gas geben kann. Innerhalb eines Wochenendes asphaltierte eine Mannschaft in normaler Besetzung eine 3,5 Kilometer lange Bundesstraße im Raum Ingolstadt.

Die B 16 ist eine wichtige Ost-/Westverbindung und wird täglich von 10 000 Fahrzeugen benutzt, ein Viertel davon Lastwagen.

Als das Staatliche Bauamt Ingolstadt eine Firma suchte, die die Strecke möglichst zügig mit einer neuen Fahrbahndecke versah, trat Willi Dietrich auf den Plan.

Statt der herkömmlichen Bauweise, mit dem schrittweisen Aufbau der neuen Schichten, schlug er ein kompaktes Verfahren vor, mit dessen Perkfektionierung sich Kirchner schon seit 2009 in dem Bundesforschungsprojekt „Prozesssicherer Automatisierter Straßenbau“ (die Abkürzung lautet PAST) beschäftigt.

Das große Ziel ist klar: Es sollen Verfahren entwickelt werden, die die Straßen haltbarer machen und die Bauzeit verkürzen.

Die Chance, freitags die Sanierungsstrecke zu sperren und montags wieder für den Verkehr zu öffnen, verlockte den Straßenbaulastträger.

Nachdem zuvor unter Ampelverkehr und halbseitiger Sperrung ein Subunternehmer die Decke abgefräst hatte, lief der industrielle Straßenbau an.

Drei Mischanlagen lieferten bis zum Samstagabend 10 000 Tonnen Schwarzdecke, die 40 Lastwagen im Taktverfahren in den Fertiger rutschen ließen. Am Sonntag wurden die Nebenarbeiten erledigt, die Bankette erneuert, die Leitpfosten gesetzt und die Fahrstreifen markiert. Das alles ohne Pause und in Tag- und Nachtschicht.

Möglich wurde die Erneuerung im Express-Tempo durch eine hochfeste Tragschicht und eine zwei Zentimeter starke Feinschicht, die im bewährten Kompaktasphalt-Verfahren heiß auf heiß in einem Rutsch hergestellt wurden. Der angewandte Schichtenaufbau zählt jedoch noch nicht zum Standard im deutschen Straßenbau. Bislang ist nur die Kombination Tragschicht, Binder, Deckschicht anerkannt.

Ob die neue Technik hält, was sich die Fachleute versprechen, muss jetzt der Alltag zeigen.

Von Kurt Hornickel

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