58-Jähriger zu Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt

Eine Nacht im Vollrausch

Bad hersfeld. An die Geschehnisse in der Nacht vom 2. auf den 3. Mai dieses Jahres konnte sich der Angeklagte vor dem Hersfelder Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Michael Krusche nicht erinnern – mit etwa 2,5 Promille Alkohol und einer größeren Menge des Beruhigungsmittels Midazolam im Blut war das auch kein Wunder.

Der 58-jährige Rotenburger soll in der besagten Nacht seine 55-jährige Lebensgefährtin angegriffen und beleidigt haben. „Er hat gedroht, mich umzubringen“, sagte diese in ihrer Zeugenaussage. Unter anderem habe er sie am Hals gewürgt.

Für eine Rauschtat mit Körperverletzung in zwei Fällen wurde der geschiedene Angeklagte zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung und 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Zudem muss er einem Polizeibeamten 600 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Laut Aussage der Zeugin sei es schon häufiger zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit dem gelernten Elektroinstallateur gekommen, wenn dieser Alkohol getrunken habe.

Fallende Backsteine

Gegen fünf Uhr morgens eilte die Polizei der Frau zur Hilfe und fand den Angeklagten schließlich auf dem Dachboden des leerstehenden Elternhauses, das nur einige Meter vom gemeinsamen Wohnort entfernt steht.

Der Rotenburger hatte laut Anklage auf der Zugangstreppe zum Dachboden Backsteine deponiert, die auf die Polizeibeamten herabstürzten, als diese die Luke zum Dachboden öffneten.

Polizist schwer verletzt

Im Gegensatz zu dem gelernten Elektroinstallateur konnte sich der zweite Zeuge, ein 39-jähriger Polizeibeamter, genauer an den Vorfall erinnern, da er bei dem Einsatz schwerere Verletzungen an Schulter und Unterarm erlitten hatte. Er beschrieb den Täter zudem als herrschsüchtig und gab zu Protokoll, dass der Angeklagte gewusst habe, was er tat. Durch seinen regelmäßigen Alkoholkonsum sei er der Polizei schon mehrfach aufgefallen und man habe ihm die Trunkenheit kaum noch angemerkt.

Da sowohl Oberamtsanwalt Gerhard Wittich als auch Richter Michael Krusche eine Schuldunfähigkeit aufgrund des Vollrausches des Angeklagten nicht ausschließen konnten, der Verurteilte noch nicht vorbestraft war und sich seit mehreren Jahren in psychotherapeutischer Behandlung befindet, ergaben sich bezüglich des Strafmaßes mildernde Umstände.

Verteidiger Peter Simon plädierte aufgrund der Erinnerungslücken seines Mandanten für eine niedrigere Freiheitsstrafe von drei Monaten.

„Ich kann nur sagen, dass es mir unendlich leid tut und dass ich niemanden verletzen wollte“, entschuldigte sich der Angeklagte bei seinen Opfern.

Von Nina Skrzyszowski

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