Petra Förster: „Fettnäpfchen-Diät“ im Buchcafé

Eine Meisterin der Verwandlung

Sauberkeit: Viele Frauen errichten einen Hygieneschutzwall aus Klopapier, beschwert sich Klofrau Gertraude Schnallenberger alias Petra Förster. Dann spülen sie ihn hinunter frei nach dem Motto „Nach mir die Sintflut“.

Bad Hersfeld. Um es vorweg zu nehmen. Die „Fettnäpfchen-Diät“ ist unbedingt zu empfehlen. Es ist sozusagen eine geistige Diät, bei der Sorgen und Hemmungen drastisch abnehmen. Kein Blatt mehr in beziehungsweise vor den Mund nehmen, empfiehlt die Kabarettistin Petra Förster ihrem begeisterten und bestens amüsierten Publikum im ausverkauften Buchcafé.

Sympathisch, klug, mit ungebremstem Wortwitz und verblüffender Verwandlungskunst mimt sie die patente Klofrau Gertrud Schnallenberger, die Hauptfigur im neuen Programm.

Aufmüpfige Seniorin

Im Wechsel erheitert sie in ihrer Paraderolle, der renitenten, aufmüpfigen Seniorin Annegret, auf deren Grabstein einmal „Bin gleich wieder da“ eingemeißelt werden soll. Mit viel komödiantischem Spielwitz und unvergleichlicher Mimik fügt Petra Förster noch mehrere Figuren in ihr Programm ein, wie die ladyhafte Tilly, den schwulen Tom und den „Security-Engel“ als Türsteher an der Himmelspforte.

Alle kriegen ihr Fett weg. Auch ihr Göttergatte in der Midlife-Crisis. Während sie, die zur Hygienemanagerin in der papierverarbeitenden Industrie befördert wurde, das Geld verdient, ist ihr Mann auf Abwegen. Im Auto ist er Natascha, der Stimme seines Navigationsgerätes, hörig und zuhause vergnügt er sich mit der lebensechten Gummipuppe Tiffany mit den drei Öffnungen. „Mit den Öffnungen kann ich noch mithalten, aber nicht mit den Öffnungszeiten“, schimpft Gertrud, die sich auch über den unverhofften Bewegungsdrang ihres Mannes wundert. Dafür ist Jaqueline, die nette Dame aus dem Sportgeschäft, verantwortlich.

Lachsalven

Nicht nur die Einblicke ins alltägliche triste Ehe- und Liebesleben sind höchst erheiternd, auch die Beobachtungen aus „Klothildes Klowelt“ mit „luxuriösen Suiten mit Wertpapierdepot“ sorgen für wahre Lachsalven. Obwohl sie sich in ihrem Beruf so „beschissen fühlt“, ergründet die Klofrau die Sitzblockaden der Frauen auf fremden Toiletten. Sie ergründet aber auch den Sinn und Unsinn der Rechtschreibreform, das Wahlverhalten der Deutschen, die ihren Stimmzettel ausgerechnet in eine Urne werfen sollen und viele weitere gesellschaftliche Problemzonen.

Mit einer großen Portion schwarzen Humors und intelligenten, gesellschaftskritischen Anregungen macht sie dabei vor nichts und niemandem halt. Fettpunkte sammeln bei der „Fettnäpfchen-Diät“ lautet ihre Botschaft und die kam an. Begeisterter Applaus für eine hervorragende Kabarettistin.

Von Gudrun Schmidl

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