Viel Kritikerlob für Lechtenbrinks Festspiel-Fassung des Stücks „Die Drei Musketiere“

Eine lässige Boy-Group

Vier ziemlich coole Typen, diese Musketiere: Szene mit (von links) Julian Weigend (als Athos), Parbet Chugh (als Aramis), Johnny Mueller (als Porthos), Jonas Minthe (als D’Artagnan) und Manfred Stella (als Hauptmann de Treville). Foto: Iko Freese/drama berlin

Bad Hersfeld. Die beiden letzten Vorstellungen des Stücks „Die Drei Musketiere“ in der Regie von Volker Lechtenbrink und seiner Tochter Saskia Ehlers am heutigen Dienstag und am kommenden Freitag sind laut der Online-Buchung restlos ausverkauft. Das mag auch an den fulminanten Rezensionen liegen, die das Stück von den Kritikern erhalten hat. In jedem Fall lohnt es sich, einmal an der Abendkasse nach Restkarten zu fragen.

Wir dokumentieren die wichtigsten Kritiker-Stimmen: HNA: Für die Stiftsruine haben Regisseur Volker Lechtenbrink und seine Tochter Saskia Ehlers eine locker-luftige aber auch leicht klamaukige Theaterfassung des Romans von Alexandre Dumas angefertigt, die neben D’Artagnans hindernisreicher Mannwerdung die Tragödie um die intrigante Lady de Winter (mit großer Bühnenpräsenz: Birthe Gerken) ins Zentrum rückt. (...) Athos (Julian Weigend), Porthos (Johnny Müller) und Aramis (Parbet Chugh) sind als Musketiere natürlich die Helden des Abends. Eine lässige Boygroup. (...) Höhepunkte sind die zahlreichen Kampfszenen, die Fechtmeister Klaus Figge einstudiert hat. Bettina Fraschke

Fuldaer Zeitung: Nicht leise, sondern spektakulär fällt das Servus aus, mit dem Volker Lechtenbrink den Festspielen Ade sagt. Sein Abschiedsgeschenk: eine spannend-flotte, witzig-melancholische Inszenierung des Mantel- und Degen-Stücks „Die drei Musketiere“. (...) Ein kleines Lechtenbrink-Familienunternehmen: Der Vater verfasst mit Tochter und Co-Regisseurin Saskia Ehlers die flotte, sprachwitzige und fast durchweg spannende Bühnenfassung (...).Für Sophie Lechtenbrink wird eine neue Rolle erfunden: Als Centime, ein burschikos-lenkender Engel auf Erden, der den märchenhaften Charakter der Inszenierung unterstreicht, macht die Tochter eine gute Figur. Und dann ist da noch (als lebenstüchtig-liebreizende Constance) Emely Roberts. (...) Glücklicherweise entsagt Lechtenbrink dem wohlfeilen Klamauk. Schicksale will er schildern. Christoph Brandner

Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ): Für die Bad Hersfelder Festspiele haben Volker Lechtenbrink und Saskia Ehlers eine Bühnenfassung erfunden, die Lechtenbrink schwungvoll in Szene gesetzt hat. Lechtenbrink weiß, warum er von einer „Breitband-Bühne“ spricht. (...) Der Regisseur nutzt für das Theaterspektakel die ganze Breite und Tiefe der Bühne. (...) Nicht nur das Breitwand-Format hat Lechtenbrink bei seiner Einstudierung des Action-Stoffs dem Film entlehnt, sondern auch dessen Schnitttechnik. Rasend schnell wechseln die Szenen, die Protagonisten und die Schauplätze. Lechtenbrink lässt keine Gelegenheit aus, die Helden in den Kampf zu schicken. (...) Was die Musketiere an Fechtkunst aufbringen, das bietet Birthe Gerken als Lady de Winter in punkto Kaltblütigkeit und Gerissenheit auf. Sie ist die heimliche Hauptfigur dieses prallen Theaterstücks. Hans Riebsamen

Deutsche Presse Agentur (dpa): Zeugnis ihres Könnens legte auch wieder einmal Birthe Gerken in ab. Sie gab eine facettenreiche Lady de Winter, die als intrigantes Miststück mit viel Sexappeal großen Raum in der Inszenierung bekam. Neben Autorin Saskia Ehlers wirkte auch Lechtenbrinks jüngste Tochter Sophie in der Rolle der Centime mit. „Es ist eine tolle Zusammenarbeit mit beiden. Ich bin stolz auf sie“, sagte Lechtenbrink, für den die 63. Festspiele zugleich große Familienfestspiele sind. Jörn Perske

Osthessen-News: Alles passt ins Bild, wirkt vertraut aus Mantel-und-Degen-Zeiten. Wieder einmal wird das Publikum eingefangen in Bad Hersfeld, „geködert“ mit den eigenen Jungen- und Mädchenträumen. Dennoch dringt die Inszenierung tiefer vor in die Psychologie der Vorlage Dumas’ und in die Psyche des gegenwärtigen Betrachters. Theater wie es sein sollte, dem man auf den Leim geht, in dem man sich entspannt zurück lehnt, herzhaft lacht über die Skurilität des Augenblicks und sich am Wiedererkennen von Zitaten erfreut, eine Schnulze aus der Vergangenheit, ein Bild aus einem Film, ein Reinhard-Mey-Zitat. Doch im gleichen Moment bricht die Oberfläche auf und gibt Einblick auf eine tiefere Ebene. Das Leben ist vielschichtig wie das Stück, gerade wenn die Oberfläche wohl geordnet erscheint. Theater ist Leben, das macht gerade Bad Hersfeld immer wieder deutlich. Klaus Scheuer

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