Bad Hersfelder Festspiele: Ilja Richter spielt im Musical „My Fair Lady“ mit

Eine hübsche Verabredung

Ilja Richter, selbst ein später Vater, spielt im Musical „My Fair Lady“ den Alfred Doolittle. Wir trafen den Berliner im Café „Manolo“ im Prenzlauer Berg. Foto: Schönholtz

Berlin. Zunächst wird es nostalgisch. Denn auch 1998, als Ilja Richter bei den Bad Hersfelder Festspielen im Musical „The Black Rider“ den Teufel spielte, hat die HZ über ihn berichtet. Den Artikel von damals liest Richter beim Treffen im Café „Manolo“ im Prenzlauer Berg mit sichtlichem Vergnügen, freut sich über Geistesblitze und Wortwitz sowie seine Gedanken zum Theater, die er auch mit dem Abstand von bald 20 Jahren noch so oder ähnlich formulieren würde.

Zum Beispiel Romeo und Julia. Vom Ausgang der Tragödie möchte er auf der Bühne stets aufs Neue überrascht werden. Dass die Zuschauer das Stück „gefälligst zu kennen haben“, hält er für grundfalsch, denn das Ergebnis sei „langweiligstes Bildungstheater“.

Wer seinen Shakespeare nicht kenne, bleibe außen vor, sagt Richter und bricht eine Lanze für die Theaterbesucher, die sich „Romeo und Julia“ zum ersten Mal anschauen.

Ein wenig anders liegen die Dinge beim Musical-Klassiker „My Fair Lady“, in dem er in diesem Sommer auf der Bühne der Stiftsruine stehen wird. „Da sind so viele Evergreens drin wie sonst nirgends. Da summen die Leute schon mit, bevor der Abend losgeht.“ Zur Bekräftigung stimmt er gleich ein paar der Hits wie „Ich hab getanzt heut’ Nacht“ oder „Mit ‘nem kleen Stückchen Glück“ an.

„My Fair Lady“ ist auch der Grund, warum der West-Berliner Ilja Richter seit 14 Jahren in Pankow lebt. Auf Tournee verliebte er sich als Professor Higgins in die Darstellerin der Eliza und folgte ihr in den Osten der Stadt. Die Beziehung hielt nicht, doch er blieb.

„Trotziger Berliner“

Mit Ossi-Wessi-Polemik kann Richter ohnehin wenig anfangen, er sieht sich selbst als „trotzigen Berliner“, der auf die „wenigen noch wahrnehmbaren Unterschiede“ achtet, die den Westen und den Osten der Hauptstadt ausmachen. Die Verarbeitung der deutsch-deutschen Geschichte hat seiner Ansicht nach viel mit einer Bearbeitung zu tun, die überall ausgleiche und damit verwische. „Das hat nichts mit Ostalgie zu tun“, sagt er, denn die DDR könne niemand zurückhaben wollen.

„Ich will mich bei der Arbeit auch nicht langweilen.“

Die Rolle des Higgins also, die kennt er in- und auswendig und wird sie gerade deshalb in Bad Hersfeld nicht spielen. Intendant Dieter Wedel, den er aus Worms kennt, hat ihn als Alfred Doolittle besetzt, den etwas zwielichtigen Vater von Eliza. „Das ist ein ganz anderes Rollenfach und passt mir mit bald 64 Jahren gut in den Kram. Der verkauft seine Tochter ohne Bedenken, das ist der Reiz“, sagt Richter, der selbst später Vater eines 14-jährigem Sohnes ist. „Ich will mich bei der Arbeit auch nicht langweilen“, sagt er dann mit dem typischen Schmunzeln auf den Lippen, „und da habe ich doch eine hübsche Verabredung mit dem Publikum.“

Doppelter Schmerz

Die hofft er diesmal bis zur letzten Vorstellung einhalten zu können. Vor 18 Jahren im „Black Rider“ zog er sich auf der Bühne einen Sehnenriss im Fuß zu und saß fortan doppelt leidend in seinem Hotelzimmer: Zum einen schmerzte die Verletzung, zum anderen das Herz, wenn er durchs Fenster hörte, wie die Kollegin Sabrina Ascasibar „seinen“ Teufel spielte. „Das war eine üble Sache, die mich monatelang beschäftigt hat.“

Bad Hersfeld und den Festspielen hat er das aber nicht krumm genommen und freut sich auf seine neue Aufgabe, mit dem erklärten Anspruch, sich selbst und das Publikum zu überraschen: „Das ist doch der Sinn des Theaters.“

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