250 Dinge, die wir an der Region mögen: Das Stadtmuseum in Vacha

Eine Herberge für Puppen

Etwa 1200 zum Teil hundert Jahre alte Puppen warten auf die Besucher im Vachaer Puppenmuseum. Fotos: Oliver Desoi

vacha. Die 1474 nach einem Großbrand wiedererrichtete Burg Wendelstein in Vacha bietet mit ihrem Aussichtsturm einen herrlichen Rundblick über Stadt und Umgebung und beherbergt heute ein wunderschönes kleines Museum.

In den verschiedenen Etagen findet man viele Themen zur Geschichte der Stadt. Angefangen von der Vor- und Frühgeschichte über die Reformation, den Bauernkrieg und den Dreißigjährigen Krieg, in dem die Stadt unsägliches Leid erfahren hat. Es gibt viel über den aus Vacha stammenden Bauernführer Hans Sippel zu sehen und zu lesen, der den etwa 5000 Mann starken Werrahaufen im Großen Deutschen Bauernkrieg im Jahre 1525 erfolglos gegen die Obrigkeit führte. Außerdem erfährt man in einer Ausstellung, mit der am 9. November dieses Jahres an 75 Jahre Pogromnacht erinnert werden soll, über jüdisches Leben in Vacha.

In einer Bauernstube lassen sich mehr Eindrücke zum ländlichen Leben im 19. Jahrhundert sammeln und der Besucher wird über vorgeschichtliche Hügelgräber und Kelten aufgeklärt. Seitdem sich aus der Vachaer Heimatstube im Jahre 1986 ein Museum entwickelt hat, gab es abermals Einschnitte in der Geschichte.

An die Teilung Deutschlands erinnert heute eine Ausstellung zum Geschehen an der Grenze – mit einem Videofilm zur Grenzöffnung, die zwischen Philippsthal und Vacha über die Werrabrücke besonders starke Eindrücke vermittelt hat.

Neben der bewegenden Stadtgeschichte gibt es in der obersten Etage eine gigantische Puppensammlung zu bestaunen, die dem Museum den umgangssprachlichen Namen als „Puppenmuseum“ eingebracht hat, was es de facto aber nicht ist: „Wir sind das Stadtmuseum der Stadt Vacha und beherbergen eine Puppensammlung“, heißt es. „Es gibt einen großen Unterschied zwischen einem Puppenmuseum und einer Puppensammlung“, erläutert die Museumsdirektorin Renate Hermes.

Die dort ausgestellten über 1000 Puppen faszinieren durch ihre Vielfalt an Alter, Material und Herkunft, sind zum Teil über hundert Jahre alt und entstammen zum Großteil der privaten Sammlung von Elenor Fischer, die diese dem Museum überließ.

Interessant sind hier vor allem die Puppen des ersten DDR-Sandmännchens und die handgefertigte „Frau Elster“ des DDR-Fernsehens. Bis September kann man sich im Museum die Sonderausstellung „Wasserimpressionen“ mit Karikaturen von dem Künstler Horst Saar anschauen. 60 Bilder laden zum Lachen und Schmunzeln ein.

Von Oliver Desoi

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